Länder Travel

HIKING-LOVE: SÄCHSISCHE SCHWEIZ

„15.00 Uhr Abfahrt Hämmerling“, schallt es noch in die Nacht und bevor jeder in sein Auto steigt und davon düst. Wir haben uns auf ein gemeinsames Wanderwochenende in der Sächsische Schweiz verabredet. Vier Abenteuerer und eine Fellnase auf Entdeckungstour und der Suche nach Freiheit. Nach dem Motto #alleskannnichtsmuss ging es Freitags los. Mit viel zu viel Gepäck und noch viel mehr Vorfreude ziehe ich kribbelnd meine Schuhe an, als der Kia vorfährt. Der erste Schock ist überwunden, als ich sehe, dass ich als einziges Mädchen definitiv nicht die Prinzessin bin und mein schlechtes Gewissen und Angst über Übergepäck doch kleiner sind, als das von den Jungs. Ready? Ruft es mir schon strahlend entgegen, als ich die Haustür hinter mir schließe. Sowas von – es wird mal wieder Zeit für neue positive Erinnerungen, ein bisschen Freiheitsluft und eine gute Zeit mit guten Freunden. 

Der Motor wird immer leiser als ich mich strecke und wir uns neugierig anschauen. Angekommen. Geparkt wird direkt vor dem Safarizelt, unserer Unterkunft der nächsten Tage. Als wir aussteigen, ist es bereits dunkel. Das erste Gefühl von Freiheit und Abenteuer kommt in mir auf. Mit Taschenlampen bewaffnet stellen wir uns der ersten Challenge, Zahlenschloss zum Zelt öffnen. Zugegebenermaßen trage ich in diesem Moment nur die Verantwortung und den Autoschlüssel, aber wozu verreise ich denn auch mit drei Männern ;). Innen durchdringt mich der Geruch von frischem Holz und feuchter Waldluft. Outdoormodus an. Jede minimalistische Ausstattung und Gegebenheit finde ich gerade noch so spannend und euphorisierend. Gefühlstechnisch im Ferienlager angekommen, wird die Zimmeraufteilung bestimmt, beziehe ich die untere Etage meines Doppelstockbettes. Das Zelt ist mit zwei Schlafzimmern, einer kleinen Küchenzeile ohne Ofen, aber Kochfläche und einem kleinen unglaublich süßem Bad ausgestattet. Hier treffen dank Glas-Regendusche und goldverziertem Spiegel gehobener Standard und naturelle Einfachheit perfekt aufeinander. Alles besteht aus Holz. Lediglich durch eine dünne Plastikplane von der Außenwelt abgegrenzt.

 

// Hinauf
Schwerer Blick hinauf
ich zähle die Sterne
Meilenweit
Anstrengung nimm ich in kauf
Leben in meinen Beinen
Freudenzeit
Ich und mein Selbst zu zweit,
es dauert eine Weile
Seelenlauf
Zufrieden, selig ohne streit
die Sicht in das Weite
Leichte Sicht darauf
– Marcus Shootster

 

Wir sitzen am Esstisch und halten unsere, von unserem lieben Freund Marcus designten, Tassen in der Hand. Theo schnüffelt auf Entdeckertour in der Ecke. Zwischen uns flackert die Petroleumlampe. Fußballthemen wie, letzte nicht versenkte Tore und geplante Choreografien liegen gesprächig in der Luft. Die Suppe brodelt auf dem Herd und ich sehe dem aufkommenden Dampf zu. Als Tellerersatz schlürfen wir unsere Suppe aus Plastikschüsseln und fühlen uns so unendlich gut in unserem Vorhaben. Ohne Empfang. Gerade einmal so schwach, dass ich eine letzte Nachricht unserer Ankunft versenden kann, bricht es ab. Hallo digital detox. Ich lehne mich zurück und komme runter, vielmehr noch an. Irgendwo im sächsischen Nirgendwo habe ich das Gefühl gerade nichts verändern zu müssen, keinen der vergangenen Gedanken Aufmerksamkeit zu schenken, als mehr noch nur dem Zirpen der Grillen zu lauschen. 

Wir packen die Spiele aus, schenken die erste Runde GinTonic ein und lassen die Wettkämpfe beginnen, bevor ich ein letztes Mal die Außenplane unseres Zeltes, für die letzte Gassirunde öffne. Über mir tausende von Glühwürmchen am Himmel. Während Theo schon die ersten Bäume übernimmt, stürme ich vollkommen überwältigt zurück ins Zelt. Gemeinsam könnte ich stundenlang hier am Boden liegen, den Blick Richtung Universum gerichtet. Fast glaubend, bisher noch keinen schöneren Sternenhimmel als in dieser Nacht gesehen zuhaben. 

TAG 1: KLEINER WINTERBERG & SONNENUNTERGANG

Schlaflos startet der Tag bei Pancakes um 6:00 Uhr. Draußen ist es noch dunkel, als wir uns für unsere erste Tour vorbereiten und losfahren. Ziel ist der kleine Winterberg mit klippigen Schluchten und Weitblick über den Nationalpark der sächsischen Schweiz.

Die Wanderung zum kleinen Winterberg ist eine sehr gemütliche und vor allem für Anfänger geeignete Tour. Zwischendurch befinden sich ein paar steilere Passage, diese sind jedoch wirklich sehr sehr kurz. Selbst Theo hat diese lockerleicht überstanden und war meist als erster oben. Hinweis: verwechselt den kleinen Winterberg, nicht mit dem großen Winterberg. Normalerweise ist man in 2 Stunden am Gipfel und kann einen unglaublichen tollen Ausblick genießen. Wir haben jedoch etwas unfreiwillig unsere Route inkl. kleiner Überraschung verlängert. Ausgangspunkt unserer Wanderung war der Parkplatz an der Neumannmühle. Zuerst geht man ein Stückchen Forstweg, noch in der Morgendämmerung. Gleich danach beginnt die erste kurze Steigung, hier geht es relativ steil, so dass auch der Puls aufwacht. Die Strecke ist wahnsinnig abwechslungsreich. Die Beschilderung führt einen gut entlang. Irgendwann kommt man zu einer Kreuzung an der man hätte rechts abbiegen müssen, da hier zwei Wege lang führen waren wir uns nicht ganz sicher und entscheiden uns für den anderen. Hier bitte genau aufpassen, wenn ihr keine unfreiwillige Verlängerung der Route wünscht. Wir hatten Zeit und deshalb störte uns dieser Umweg nicht. Vorbei an steilen Abhängen an denen sich meterhohe Tannen hangeln, über Moos bedecken Boden und dann wieder durch Sand entlang an kalten Steinwänden, weiter über Wurzelböden, entlang am deutschen Indian Summer, durch Nadel und  Laubberge in denen Theo sich versteckt, findet sich hier einiges an Farb-und Naturschauspielen.

Auf dem Weg zum Gipfel werden die Schenkel noch einmal gut beansprucht, aber der Aufstieg lohnt sich! Oben angekommen erwartet uns ein atemberaubender Ausblick. Am äußersten Punkt des kleinen Winterberg stehe ich am Abgrund und vor mir nur eine kilometerweite Waldlandschaft in schwindelerregender Tiefe. Ab und zu ragt ein Felsbrocken heraus. Der Wind weht mir um die Nase und lässt meine Haare tanzen. Ich atme durch und fühle mich unendlich frei …
Als ich mich wenig später zurückgezogen an eine Felswand lehne, komme ich runter. Ich bin zufrieden, friedlich ruhig. Der Kopf aus, die Beine trugen mich hinter meine Wandercrew her, losgelöst und besonnen von Naturgesetzen um mich rum lebe ich im Moment und schalte ab. Rechts die Wärme der Sonne, meinen ganzen Körper durchströmend, links meine Haare im Wind, kitzelnd auf meiner Haut. Mehrere Höhenmeter und einen „steinigen“ Aufstieg später atme ich durch und lasse los. Ich habe mich lange nicht so leicht gefühlt!

Bewegung, die Aussicht genießen, kleine Tee-stopps, quasseln und gemeinsam schweigen, entspannen und alles wieder retour. Wir haben am Ende gute 4 Stunden gebraucht, sind aber auch ganz entspannt gelaufen. Auf dem Weg zurück haben wir einen größer ausgeschilderten Weg genutzt. Dies hatte den Vorteil, dass wir an einer kleinen Raststätte vorbeikamen an der wir uns mit Radler (die Jungs natürlich Bier) und Apfelstrudel stärken konnten. Der Rückweg war deutlich besuchter, was sicherlich sowohl an der Mittagszeit als auch an den Onroadwegen lag.

Angekommen an unserem Zelt heißt es Mittagspause. Duschen, gemeinsames entspannen auf der Terrasse. Füße hochlegen, Kraft tanken. Gedanken niederschreiben, Eindrücke austauschen, Sonne und Musik genießen. Dann geht es weiter zum Sonnenuntergang auf die Burg Königstein. Ausgestattet mit GinTonic aus unseren Saxony Tassen heißt es auch hier wieder Natur genießen. Ich liebe Sonnenuntergänge! Aber in Verbindung mit guter Gesellschaft gibt es wenig, was dies toppen könnte. Zufrieden wieder im Zelt angekommen heißt es nur noch gefüllte Paprikaschoten essen und den Tag bei geselligen Spielen und Gesprächen ausklingen lassen.

 

Dauer: 2 h

Entfernung: 10,8 km

Höhenunterschied: 375 hm

Schwierigkeitsgrad: easy

TAG 2: BASTEI, SCHWEDENLÖSCHER & WILDE KLAMM

Es ist 4:45 Uhr, Theo an meinem Fußende. Unsere Blicke treffen sich, wir sehen uns an, grinsen und ein weiterer Tag steht an. Brötchen werden bereits auf der Heizung erwärmt, die Eier brutzeln in der Pfanne. Ich beschlagnahme den Wasserkocher und koche Tee und Kaffee. Mit Taschenlampen bewaffnet stapfen wir Richtung Sonnenaufgang über der Bastei. Die Steine färben sich aus leichten Abzeichnungen in der Dunkelheit, aus Schatten werden felsige Schluchten.

Ausgangspunkt zu den Schwedenlöcher ist gleichermaßen der Parkplatz an der Basteibrücke. Schwedenlöcher nennt sich der sächsische Canyon, zwischen dem Basteimassiv und dem Amselgrund. Durch Erosion entstanden dunklen Schluchten, Felsenbrücken und zahlreiche Nischen. Der Wanderweg führt durch klammartige Felsengassen über ca. 700 Stufen und zwei steilen Eisenleitern durch eine einzigartige Felsenwelt. Diese Wanderung ist etwas mehr geprägt von Höhenunterschieden und verlangt daher etwas mehr Kondition als unsere Wanderung vom Vortag. Da durch die Schluchten das Tageslicht teils abgeschnitten wird, ist wenig Möglichkeit für Vegetation gegeben. Lediglich Moose rangeln sich an allen feuchten Steinwänden und machen die Wanderung zu einem wunderschönen steinigen Dschungel. Theo tippelt brav seinem neuen Freund Olli hinterher und schafft es schlussendlich sogar den kräftigen Mann zu überreden ihn zu über die Brücken zu tragen. Aus Zeitmangel haben wir nur einen Teil dieses Pfades genossen und sind den gleichen weg wieder zurück. Oben angekommen gab es eine stärkende Pause bei selbstgemachten Flammkuchen.

 

Dauer: 3 h

Entfernung: 8,5 km

Höhenunterschied: 420 hm

Schwierigkeitsgrad: Kletterabschnitte

 

 

Zurück am Auto angekommen geht es zu unserer letzten Station der wilden Klamm in der Tschechei. Auf dieser Wanderung treffen wir deutlich mehr Wanderer als bei unseren zu vorigen Touren, was ich persönlich etwas schade fand, da ich es lieber etwas ruhiger und einsamer beim Wandern mag als so überlaufen. Rein von der Natur lohnt sich diese Strecke jedoch sehr. Sie ist sehr abwechslungsreich und nur mit verschiedenen Transportmöglichkeiten zu durchqueren, also bitte Geld einpacken, dies hatten wir nicht dabei und erlebten somit ein kleines Abendteuer der digitalen Art. Über Brücken entlang an den felsigen Steinwänden und einem Wasserlauf, auf denen wir kleine Blätterwettrennen veranstalteten, vorbei an Wasserläufen und einer Szenerie purer Romantik dank fallender Blätter. Wie gesagt, kann man die Strecke nicht komplett laufen, sodass wir irgendwann an eine Stelle kamen, an der der Wanderweg 500m hinter dem Wasserlauf weiterging, hier gibt es eine Bootsanlegestelle, die euch rüberbringt. Allerdings hatte ja niemand von uns an Bargeld gedacht, sodass uns ein deutsches Wanderer Pärchen über Paypal aushalf und uns die Überfahrt bezahlte. Auf der anderen Seite angekommen, stand und nochmal eine ziemliche Steigung bevor, auf der ich Theo dann auch das erste Mal wirklich tragen musste. Oben angekommen ging es zurück nur noch auf der Straße, vorbei an Feldern und Waldabschnitten gefärbt von der goldenen Herbstsonne. Meine Beine wurden immer schwerer und schwerer. Angekommen am Auto gibt es die wohlverdiente Belohnung – Wasser und Leckerli für die Fellnase; Radler und Flammkuchenreste für uns. Zufrieden und Seelenbefriedigt!

 

Dauer: 3,5 h

Entfernung: 14 km

Höhenunterschied: 340 hm

Schwierigkeitsgrad: easy

 

 

“Manche Menschen schaffen es, dass Stunden wie Sekunden vergehen und sich gleichzeitig wie eine Woche Urlaub anfühlen.”

 

Zufrieden sitzen wir im Auto Richtung geliebte Heimat, zurück nach Hause. Die Musik läuft etwas entfernt aus dem Autoradio, hinter mir schlafen meine Crewmitglieder Marcus und Olli seelenruhig. Nick fährt, das Steuer sicher in der Hand, mein Blick schweift an vorbeifahrenden Autos vorbei, Theo´s wärmender Körper erschöpft schlafend auf meinem Schoß. Ich hänge meinen Gedanken nach und bin dankbar für unglaubliche Momente, die wir geschaffen haben. DANKE für ein Wochenende voller Ruhe, Emotionen und Vertrautheit aus dem ich Kraft schöpfe und an das ich sehr lange denken werde. Wir sind uns alle einig, die nächste Wanderung wartet auf uns. Wohin geht die nächste Tour, Gang?

Ihr wollt noch mehr Eindrücke? Dann schaut super gern bei Marcus und Nick vorbei, die beiden haben unsere Erlebnisse wunderbar eingesammelt, die Bilder machen auch im Nachhinein Lust auf mehr – nochmal.

 

*IN DIESEM POST WERDEN MARKEN & AFFILIATE LINKS GENANNT. NACH AKTUELLER RECHTSLAGE IST ER DAHER ALS WERBUNG GEKENNZEICHNET

 

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11. November 2018

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