Personel

IRGENDWO DAZWISCHEN

 

Unfertige, einfach unausgesprochene, nicht final gelebte Momente. Es ist einer dieser schlaflosen Nächte. Dieser endlosen langen Nächte, seitdem du weg bist. Ich liege im Bett, mit den Gedanken bei dir. Schon wieder. Ich drehe mich zu deiner Seite des Bettes und verspüre ein aufkommendes Brennen meiner Augen. Wieder einmal. Die Träne läuft über die warme Haut meiner Wangen und verschwindet im Stoff des Kopfkissens. Tränen, die sagen, dass sie dich vermissen.

Ich bin nicht wütend. Ich bereue nicht. Ich bin traurig, enttäuscht. Ich bin fertig. Vielleicht. Obwohl ich vielleicht wahrscheinlich nur sage, damit mir der Gedanke weniger Angst macht. Ich erinnere mich daran, wie es angefangen hat und wie glücklich du mich gemacht hast. Ich hätte so gerne ein zuhause in dir gefunden. Ich hatte es gefunden. Aber nicht behalten. Ich hab Angst vor allem was kommt. Weil ich so gern irreversibel angekommen wäre. Weil ich keine Abschiede mehr ertragen kann, keine Trennung mehr durchmachen will, keine Heilung mehr abwarten kann. Aber weil es trotzdem so ganz ohne Vorahnung passierte.

Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich noch einmal in eine Sackgasse manövrieren würde. Die Vorstellung es schon wieder falsch gemacht zu haben, lässt mich zweifeln. Die Vorstellung zu verlieren, was ich für so echt, so real hielt, lässt mich brechen. Mich wie eine Versagerin fühlen, die es nicht besser verdient hätte. Es fällt mir schwer zu sehen, dass es bei weitem nicht mein Fehler war. Ich kann nicht mal mehr annehmen, dass ich Dinge richtig mache. 

Manchmal frage ich mich, ob du Angst hast, vor der Leichtigkeit. Mit der wir auch aus schwierigen Momenten rausgingen. Dass alles was du dir gewünscht hast, jetzt plötzlich vor dir lag. Dass es dir Angst machte, so lange nicht mehr gefühlt zu haben, sich zu verschließen, gar die Kälte zu akzeptieren. Angst machte, nach der ganzen Zeit jetzt plötzlich alles zu fühlen, zu spüren und dich endlich zu öffnen.  Dass es dir Angst machte, die Vorstellung nicht loslassen zu können, doch plötzlich möglich, so greifbar nah war. Und das mehr als nur drei Stunden. Dabei sahst du nicht, dass du gar nicht loslassen solltest, hättest müssen. Eben nur als das akzeptieren und annehmen, als das was es für dich schon immer war. Innig und bedingungslos. Du hättest beides haben können. Die Frau, die du liebst, mit der du die Emotionen so intim und bedingungslos spüren konntest, mit der du bereits die nächsten Schritte plantest. Und deine Seelenverwandte. Ein wieder entdecktes Vertrauensband, welches irgendwie eben dazugehört. Weiterkommen. Sich entwickeln, heißt eben auch loslassen. 

 

“Hab ich nicht richtig zugehört, nicht hingeschaut oder zu viel gewollt?”

 

Es ist nah mit dir, es ist voller Liebe und Vertrauen. Verständnis und Innigkeit. Ich bin angekommen. Angekommen bei dir, aber auch bei mir. Mit dir gemeinsam. Du meinst es ernst. Ich sah es in deinen Augen. Wir konnten selten voneinander lassen. Bei dir kann ich vertrauen, loslassen. Was mir sonst so unfassbar schwer fällt, machst du möglich. Dir kann ich mein Inneres zeigen. Und du mir deins. Komplett. Nicht nur drei Stunden, sondern eben ganz. Man liebt jemanden trotzdem und obwohl, nicht weil. Manchmal werden Menschen sehr enttäuscht und verletzt. Diese Erfahrungen zeichnen Narben auf der Seele. Und dann trifft man Menschen, die die Narben akzeptieren, vielmehr verstehen. Wir waren genau das. Gegenseitig. Ich war der Schlüssel der ins Schloss gepasst hat.

Es gab uns. Fast. Fast ein wir, aber nicht wir beide. Schon wieder nur noch ich, die im Flur steht, die Tür hinter dir zumacht und nicht genau weiß, ob das schon alles gewesen ist.

Vielleicht, bin ich wach aber nicht ganz da. Wochen habe ich darauf gewartet. In ewigen Gedankenspielen den Geist der Situation gefüttert. Habe Nachrichten ins Leere geschrieben, Worte zu Papier getragen, nicht abgeschickt und dann doch abgeschickt, ohne zu wissen, ob sie dich je erreichen würden, selbst wenn du sie lesen solltest. Du bist nie ganz gegangen und bist trotzdem nicht mehr da. Nur noch eine Erinnerung, die irgendwie so spürbar nah und dennoch so lange her ist, dass ich sie mir nie ganz glauben kann. Und jetzt, ganz kurz, unerwartet, kommst du. Aber eben nur ein bisschen. Und ich weiß genau, wenn ich nach dir greife, verschwindest du …

 

Ist das ein Bleiben, wird das ein Gehen? Ein Schweigen? Ein Vergessen oder spätes Erinnern?

 

Willst du einfach nur nicht anfangen? Anfangen aufzuräumen, die Dinge in die Hand nehmen, neue Ergebnisse schaffen und alte Herausforderungen bestehen. Über die Klippe zu springen? Weil das andere so schön einfach ist, das was du schon immer gemacht hast? Du hattest deinen Frieden gefunden, aber nimmst du ihn auch an, wenn er Herausforderungen birgt, Angst und die Kraft einzugestehen bedeutet? Aber vielleicht hast du einfach nur zu lange geglaubt, dass Gut ist, was sich “einfach” anfühlt und vergessen was du bisher erreicht hast. Vielleicht hast du einfach zu lange mit dem Gedanken und Ziel gelebt, was du jetzt nicht loslassen kannst, dass du Vergebung und Vorankommen verwechselst.

Dass das alles ist, was du gerade sein kannst, das ist wahr. Trotzdem weniger eine Antwort. Und mehr nur irgendeine Frage.

 

Wir stehen an der Kreuzung, wieder. Wieder mit dieser Ungewissheit, und unaufhörlichen Vertrautheit zwischen uns. Du wirkst nicht ganz glücklich.  Kann es sein, dass du faul mit deinem eigenen Glück geworden bist, lieber Ausreden für dein Nichtstun erfindest, als zu tun, was nötig ist, um endlich voranzukommen? Ich frage dich das nicht, weil ich dir weh tun will. Nur weil ich sehe, wie du schlitterst, wie du festhängst. Und genau das wolltest du doch nicht mehr, als du losließt. Komm nach Hause lass ein bisschen Vertrauen hier und nimm den Rest mit.

Dich gehen lassen zu müssen hat mir irgendwie das Herz gebrochen. Sauer kann ich am Ende trotzdem nicht sein. Trotz der Verwirrung, resultierender Schmerzen. Ich stehe wieder alleine im Flur, und neben mir nur die Sehnsucht, nach uns.

 

„You watch her, walking away and it hits you that she is an entire ocean and you were wrong, because you let her go thinking she was just a sensitive girl.„

 

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