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TRAVELGUIDE: JAPAN

Zwei Wochen sind wir durch eines der teuersten und verrücktesten Länder gesprungen. Wir haben hunderte Kilometer zu Fuß, mit Bus und Bahn und dem Shinkansen zurückgelegt, sind drei Städte und fünf Destinationen in der Umgebung angefahren, haben vierzehn Tage mit Stäbchen gegessen, haben viele außergewöhnliche, kulinarische Erfahrungen gesammelt, fazsinierende Natur erlebt, wahnsinnig nette Menschen kennengelernt, haben unglaublich viel “Qualitytime” als Familie erlebt und kommen beeindruckt und ein wenig verändert wieder. Was wir erlebt und unternommen haben, findet ihr hier in unseren Eindrücken zusammengefasst.

TOKYO

Politisches Zentrum, Japans.

Wir haben ingesamt vier Tage in Tokyo verbracht. Hierzu mehr im Tokyo Beitrag. Am letzten Tag unseres ersten Stops, sind wir der Hauptstadt entflohen und Richtung Mount Fuji gereist. Hierfür nehmen wir einen lokalen Bus in der Tokyo Station bis hin zur 3. Station und fahren sind circa 2 Stunden südwestlich durch das Land. Vorbei an Bambuswäldern und Reisfeldern, durch grünbewachsende Gebirgsschluchten, entlang der japanischen Gebirgskette, erblickte ich irgendwann die weiße Toblerone. Diesmal ganz nah und auf Augenhöhe erblitzte die weiße Zipfelmütze des höchsten Punktes Japans. Zwei verschiedene Stops. Erst am Fuß des Fuji stiegen wir am Kawaguchiko See, etwa 15 Minuten Fußweg entfernt von der Kawaguchiko Station, in eine Seilbahn, um einen schöneren Blick von oben zu erlangen. Fotostop, Staunen, Vorfreude. Rauf da. Ich möchte ganz oben rumspringen und den Schnee zwischen meinen Fingern spüren. Also zurück. An der Kawaguchiko Station in ein Taxi gehüpft, da der nächste Bus erst in einer Stunde fuhr. Nach nochmal circa 45 Autominuten durch die Serpentinen, entdecken wir die ersten Lavasteine am Straßenrand. Durch die Nebelwand, scheint uns oben angekommen, trotz Eiseskälte, die Sonne ins Gesicht. Hier wandern wir auf 2.800 Höhenmetern tatsächlich auf dem Fuji Vulkan rum und können es kaum fassen, überall müssen wir immer wieder durch den Nebel und können diesen deutlich beim Tanzen durch die Steine aufsteigend bis zur Spitze zusehen. Es ist schon etwas surreal. Getoppt wird das Ganze noch, als wir während der Abfahrt noch einmal auf halber Strecke aussteigen und den schönsten Anblick überhaupt bestaunen. Zurück nach Tokyo, auf ein Abschiedsgetränk in eine kleine Bar, mit wieder nur 5 weiteren Gästen. Morgen gehts weiter nach Kyoto.

 

 

“Was uns trennt sind zwei Welten.
Oben oder unten, Einfach oder Schwere.
Wünschte du könntest das sehen, eine Sekunde neben mir stehen.
Und mich begleiten, versuchs zu beschreiben.”

 

KYOTO

Kulturelles Zentrum, Japans.

Kyōto ist bekannt für seine zahlreichen, buddhistischen Tempel, seine Gärten, Kaiserpaläste, Shinto-Schreine und traditionellen Holzhäuser. Kyoto wurde während des zweiten Weltkrieges verschont und ist daher traditionell und historisch erhalten. Am besten ist dies im Gino-Viertel zu spüren. Planlos startet unser erster Tag in Kyoto mit einer geführten Tour, mit WanderCompass, durch das Viertel und seine umliegende Umgebung. Ausgangspunkt ist der Kyōto Tower als wir mit unseren zwei Studentinnen in den Bus steigen und die ersten japanischen Eigentümlichkeiten lernen. Untypischerweise sprechen unsere zwei Japanerinnen sehr gutes Englisch, sie sind zudem sehr an unserer europäischen Kultur interessiert, sodass die nächsten Stunden eher ein reger Austausch und Vergleich der Kulturen auf gesellschaftlichen und persönlicher Ebene darstellt. Wir lernen die Unterschiede, Musikgeschmäcker und Alltagsbabläufe kennen und kriegen uns vor Lachen nicht mehr ein, als wir gegenseitig versuchen die asiatischen Herkünfte zu unterscheiden. Ich bestaune Teegeschäfte, Geschäfte in denen japanische Porzellankunst angeboten wird, schlender vorbei an den schönsten Gärten, die zum träumen einladen und schmunzel über winzig, kleine und wunderschöne Holzhäuser, jedes Einzelne verziert mit japanischer Kunst und Schriftzeichen. Ich bekomme erklärt, wieso jegliche Eingänge einen Stoffschal vorhängen haben und welche Paradigmen hier gelebt werden. Als ich mich wenig später wieder einmal vor einem Softeisgeschäft mit einem grünen Kaltdesert in der Hand wiederfinde, müssen wir lachen, als sich unsere Blicke treffen und meine Mama mich beim genießen und Augen schließen ertappt. Mein Papa diskutiert über japanisches Lohnniveau und die Arbeitszeiten und in diesem Moment ist alles ganz schön ok. Abends lassen wir den Tag bei eins, zwei japanischen Bier ausklingen, testen uns durch die kyotische Hopfenauswahl und planen die nächsten Tage.

Weiterer Tag, diesmal mit Zug circa anderthalb Stunden raus aus Kyoto nach Fushimi, zu den berühmten tausend roten Toren, Japans.  Überall leuchtet es herrlich wunderbar durch die roten eng stehenden Tore und führt uns durch den eher abgedunkelten Wald. Der Fushimi Inari-Taisha ist dem Kami Inari gewidmet und gehört zu den ältesten und bekanntesten Shintō-Schreinen in Kyōto. An jeder Säule der einzelnen Tore ist in goldener Schrift etwas eingemeißelt und beschreibt eine Geschichte von gefallener und tapferer Vergangenheit. Ein wenig schwelgend in japanischer Kriegsgeschichte, gehts weiter. Wieder mit dem Zug, eine weitere halbe Stunde zum Bambuswald. Arashiyama (嵐山), wir schlendern durch meterhohes Grün. Stark, gefestigt und gleichzeitig so flexibel ragen die Bambusstämme links und rechts von uns in den Himmel. Wahnsinnig beeindruckend. Kaum fassbar und fasziniert von der Natur saugen wir die andere Welt auf. Am Ende angekommen, vorbeigeschlichen an anderen Touristen, finden wir Affen in den Bambusgipfeln. Springend von Bambus zum nächsten Baumast, auf dem sie mehr halt finden. Wir beobachten die Affen am Gipfel, als wir aus dem Wald rauskommen und immer mehr von ihnen erblicken. Am Ende des Bambuswald befindet sich eine kleine Auffangstation für Affen. Hier füttern wir die kleinen Fellabbildungen unser Selbst mit Nüssen und Apfelstücken. Im Moment unglaublich niedlich, im Nachhinein, mir zu viele Touristen! Schön war es auf seine Weise irgendwie dennoch, aber eben zu überlaufen. Ab zurück und den Tag gemeinsam bei einer japanischen Massage ausklingen lassen.

Dritter Tag, letzte Möglichkeit die Sehenswürdigkeiten Kyōtos zu besuchen, bevor es nach Osaka geht. Unser Ziel, der goldene Palast, Kinkaku-Ji. Kinkaku-ji, ist ein buddhistischer Tempel im Nordwesten der Stadt. Bekannt ist die Tempelanlage für seine Außenfasade, die fast vollständig mit Blattgold überzogen ist. Hell schimmernd spiegelt sich der Tempel im ruhigen See vor und um ihn. Beeindruckend und schön, wenn ich die Außenwelt abschalte. Um mich rum allerdings die japanische Variante des Fotobumbs. Völlig überfüllt drängen sich die Menschen aneinander vorbei, um den besten Blick für das perfekte Foto zu haben – absolut undisskutierbar, überhaupt nicht meins! Schade, denn die Anlage selbst ist wunderschön angelegt, überall findet man am Wegesrand Karpfen im See schwimmen und Wasserspiele im Garten plätschern. Am Ende des Parks, finde ich an einem kleinen Stand, dann aber ein kleines Geschenk für meinen guten Freund, Marcus. Ein japanisches Notizbuch mit japanischer Schrift auf der ersten Seite. Von hier aus sind wir nach Nara gefahren. Nara ist ein riesiger Nationalpark inmitten dessen die größte Buddha Statue der Welt steht. Bekannt ist Nara allerdings für seine frei herumlaufenden Rehe. Es ist schon sehr niedlich anzusehen und wir haben uns vor Lachen nicht mehr einbekommen, als die Rehe uns nicht nur folgten, sondern auch begannen uns in jeglicher Form anzustupsen, als wir Nahrung in den Händen hielten. Allerdings ist es nach der ersten Aufregung und Euphorie, schon sehr traurig, wie fernab der Naturgesetze, die Tiere zwischen den Menschen umherliegen, laufen und ständig der Streicheleinheiten der Kinderausgesetzt sind. Die Menschen begannen die Tiere hier so oft zu füttern, dass sie gelernt haben im Einklang mit den Menschen, und leider auch der Vielzahl an Touristen, zu leben. Im Nachhinein fanden wir es dann sehr freudlos und fragwürdig.

Am Ende offenbart unser zweiter Stop unheimlich wundervolle Architektur und Natur, mehr Japan ging einfach nicht. Wir sind verzaubert, danke Kyōto.

OSAKA

Wirtschaftliches Zentrum, Japans.

Willkommen in Osaka, wessen inoffizielles Motto “skuidaorea” ist, was so viel bedeutet wie iss bis du umfällst. Zu Osaka kann ich leider gar nicht so viel sagen, wir haben hier ganz bewusst die geringste Zeit eingeplant und nur zwei Nächte verbracht, wovon die letzte nur für die Abreise diente, da am Morgen unser Flieger schon ziemlich in der Früh ging. Osaka ist aufgrund seiner wirtschaftlichen Bedeutung ziemlich groß und dicht besiedelt. Viele namenhafte japanische Unternehmen haben ihren Sitz in der Stadt. Da sich hier echt jegliche wirtschaftliche “Macht” sammelt, bietet Osaka wenig Kultur und auch Natur ist hier nicht so vielseitig zu finden, wie in den vorherigen Stops unserer Reise. Wofür Osaka allerdings steht ist Shopping, so haben wir in der Osaka Station über zehn Etagen – ja richtig, über zehn Etagen ein Shoppingerlebniss der etwas anderen Art erlebt. Ich muss gestehen, ich wollte hier ziemlich schnell wieder raus – es war die Hölle und gleichzeitig der Wahnsinn. Wer geglaubt hat es laufen viele Menschen auf den Straßen rum, war mit Sicherheit noch nicht in der japanischen Shopping-Unterwelt. Sowohl zwei Etagen unterhalb unserer Ebene, wie auch sieben weitere Etagen oberhalb der normalen Straße befand sich ein Geschäft neben dem Nächsten. Sprachlos, mehr fiel und fällt mir hierzu nicht ein. Neben anderthalb Tage pure kommerzielle Reizüberflutung, ist der Anblick Osakas von seinem Obversatory Gebäude schon unglaublich beeindruckend. Von hier aus lässt sich der Hafen gut beobachten. Und auch die geraden Straßenführungen, die die Zufuhr in die Stadt erleichtern und auf die Effektivität der Wirtschaftsstadt zurückzuführen sind, sind klar zu erkennen. Hier gibt es einen Stärkungskaffee bevor es zurück zum Abendessen und morgen nach Hause in die Realität geht.

FAZIT: MEIN TOR NACH ASIEN

WOW. Japan war entgegen aller Vorurteile unglaublich aufschlussreich und schön. Es ist definitiv ein teueres Land, dieses Vorurteil konnte ich nicht ablegen. Wer hierher reisen möchte muss dies finanziell gut einplanen. Aber davon abgesehen, habe ich lange keine Reise so intensiv und lehrreich wahrgenommen. Ich habe in den zwei Wochen sehr viel neues erfahren, unglaublich viele, neue, kulinarische Experimente gewagt und bis auf die Mochis bin ich damit auch echt immer gut gefahren. Ich habe meinen Blick wieder mehr geweitet, bin definitiv offener für neue und unbekannte Abenteuer und Erfahrungen geworden und wurde erinnert, noch achtsamer durch unsere heimischen Straßen zu laufen. Besonders beeindruckt hat mich in allen Städten die rücksichtsvolle und hilfsbereite Art. Allerdings war diese in Tokyo am stärksten zu spüren. Was mir auch aufgefallen ist, ist das Vertrauen untereinander. Da kann es auch schon mal passieren, dass Arbeitsdokumente samt Rechner eine Stunde offen, ohne Aufsicht im Shinkansen liegen gelassen werden. Die Kriminalität ist hier so gering wie kaum irgendwo auf der Welt, ich habe mich zu keinem Zeitpunkt irgendwie bedroht oder ängstlich gefühlt, ganz im Gegenteil. Neben der wunderschönen Natur, war das definitiv das Beeindruckendste. Ich wurde nach der Reise oft gefragt welche der Städte mir am meisten gefallen hat, und ehrlich? Ich weiß es nicht. Jede der drei Städte mit all seinen umlegenden Destinationen hat seinen eigenen Charme, obwohl ich gestehen muss, dass mir Osaka nicht ganz so gut gefallen hat. Das liegt aber einfach an seiner geringen Kultur und fehlenden Natur.

Japan, war meine erste Erfahrung im asiatischen Raum und dieses Land hat mir die Türen nach Asien geöffnet. Ich bin so begeistert, dass ich definitiv ganz bald wiederkommen und noch lange von meinen Erfahrungen zehren werde. Also nicht so viel nachdenken und urteilen, sondern erst selber die Erfahrung machen, bevor ich etwas ablehne – diese Offenheit und Neugier habe ich im Gepäck mit nach Hause genommen.

*IN DIESEM POST WERDEN MARKEN & AFFILIATE LINKS GENANNT. NACH AKTUELLER RECHTSLAGE IST ER DAHER ALS WERBUNG GEKENNZEICHNET

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