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SNOW ADDICTION: OBERWIESENTHAL

Zugegeben, Oberwiesenthal ist kein besonders cooles und aufregendes Skigebiet. Aber für Hauptstadtkinder eine nahgelegene Möglichkeit dem nassfeuchten Citywinter zu entfliehen und ein bisschen Zeit auf dem Snowboard zu verbringen. Die Zeit in Oberwiesenthal wird für mich dennoch ein klein bisschen was besonderes sein. Wir haben hier eine unglaublich ausgeglichene und fröhliche Zeit verbracht und ich konnte endlich meine Blockade vom letzten Jahr hinter mir lassen. Letztes Jahr stand ich nach einer jahrelangen Pause (fast das erste Mal) wieder auf dem Board und bin unheimlich dumm gefallen, verletzte mich, lies meinen Mut auf der Piste, nahm die Verzweiflung mit nach Hause, und glaubte die Snowboardsaison vorerst für mich erneut abzuhacken. Nachdem ich auf Bali meine erste Welle geritten bin hat mich das Bedürfnis nach einer langen Winterpause mein Snowboard das erste Mal wieder aus dem Keller zu holen, ins Auto Richtung Berge zu steigen und loszufahren einfach nicht verlassen. Gemeinsam mit einem Schulfreund ging es für mich also dann doch wieder Richtung Schnee und Pistenabfahrt. Ein paar Tage Oberwiesenthal. Ein wenig rauskommen, die Angst überwinden und wieder neue Erfolge und eine gute Zeit schaffen. Der Winter und die Snowboardsaison darf einfach nicht ohne mich beginnen.

Wie ein Flummi springe ich am Vorabend durch die Wohnung, als ich mein Board auspacke, meine Boots und die Snowboardsachen in meine Tasche verstaue und den Wecker auf 4.30 Uhr stelle. Ruhig, zufrieden und gespannt steige ich ins Auto, unsere Boards zwischen uns, drehe ich die Musik auf, atme ein letztes Mal aus und gebe dem Motor sein Startsignal. Ich muss immer wieder lachen und du schüttelst nur den Kopf, wenn du dich wiederholend in deinen Erinnerungen schwelgst. Schon vergessene Geschichten, Abende, verdrängte Personen und Gefühle. Aktionen, Zusammenhalt und Blödsinn. Aus meinen Augen und aus deinen, die, die nie vergessen werden und die, an die ich mich schon nicht mehr erinnern kann. Langsam wird alles weiß und die Bäume färben sich. Und dann kommen wir endlich an, packen uns warm ein und schnallen das Brett das erste Mal an die Füße. Kurz vor der ersten Auffahrt werde ich hippelig. Nervös. Ein wenig angespannt. Aber als wir oben ankommen, siehst du mich an und gibst mir deinen Mut. “Erinnerst du dich, wie wir auf Skifahrt die Kurven zusammen genommen haben?”  Wir haben strahlend blauen Himmel. Neuschnee, ein wenig weich und minimal klebrig – perfekte Bedingungen für die erste Abfahrt. Gutes Wetter – entspannte Laune. Ich fühle mich bereit.

 

Boarden, das ist wie fliegen.
Der hauchzarte Verlust von Kontrolle während des Wendepunktes, Leichtigkeit, Schwerelosigkeit.
Freiheit im kühlsten Aggregatzustand. Ein zartes knirschen unter den Kanten.
Freiheit und loslassen.
Überwindung. Vertrauen und Kribbeln.
Ein Wechselspiel. Entscheidung, Intuition, Festhalten, Treiben lassen.
Boarden, das ist wie fliegen. Als der Knoten sich löste.
Zurückgeholte Kontrolle und Freiheit.
Ein Gefühl. Irgendwo den Höhen der Bergen und der Endlosigkeit der Wolken.

 

Ich drehe mein Board und fahre los. Zu Beginn noch sehr zackhaft, austarierend und die Balance findend. Du ziehst immer wieder an mir vorbei, grinst und wartest einige Meter weiter unten. Mit jeder Abfahrt werde ich ein wenig sicherer. Eine nach der anderen. Vorsichtig. zurückhaltend. nicht übertreiben. “Die nächste Abfahrt nehmen wir zusammen und dann fahre ich die Wendungen groß vor und du folgst mir, so wie damals.”  Immer wieder. Die verschneiten Berge haben einfach eine unheimliche Wirkung. Gemeinsam die Lifte hoch, jeder für sich runter. Nicht den Mut verlieren, jede Abfahrt ein wenig mehr über seine zuletzt geschaffene Grenze springen und sie ein wenig verschieben, fürs nächste Mal. Der Schnee war für mich wirklich perfekt, ich kann es nicht anders sagen, kein Sturz tat weh und so verlor ich die Angst des Scheiterns und traute mich, versuchte, probierte aus und gewann neues Selbstvertrauen. Und dann am zweiten Tag – löst sich endlich der Knoten. Ich nehme gleich mehrere Kurven hintereinander und stoppe danach, kann mir selber nicht ganz glauben was ich da gerade gemacht habe und starte es gleich nochmal, diesmal mutiger, etwas kürzer und enger gefahren. Überglücklich falle ich dir unten in die Arme. “Hast du das gesehen? Los hoch, ich zeigs dir und fahre dir hinterher”. Ich habe es geschafft! Mit ein wenig zurückgewonnenem Selbstvertrauen und Ehrgeiz habe ich die Angst und Unsicherheit vom letzen Jahr irgendwo auf der sächsischen Piste verloren und will gar nicht mehr runter vom Board.

 

HARD FACTS – Oberwiesenthal weiße Nähe

Erreichbarkeit: 3 Stunden von Berlin entfernt. Mit dem Auto sehr schnell erreichbar.

Skigebiet: 2 Orte zu einem Skigebiet vereint. Auf 34 Pistenkilometer können besonders Anfänger oder spontan Entschlossene sich austoben.

Hotels: Nächtigen in der Ferienwohnung, im Familienhotel oder im stylischen Hotel, hier ist für jeden etwas dabei. Das schöne, die Lifte sind meist direkt zu Fuß erreichbar. Pluspunkt.

 

Wie bereits erwähnt ist das Skigebiet in Oberwiesenthal wirklich sehr klein. Aber sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene werden hier ihren Spaß finden. Das Gebiet ist für ein paar spontane Boarderstunden und dem Stadttrubel zu entfliehen ideal. Es ist alles super fußläufig zu erreichen, für eine kleine Auszeit sehr angenehm, wie ich fand. Das Hotel haben wir über SnowTrex gebucht. Übernachtet haben wir im Midi Hotel. Vollpension ist natürlich großartig, wenn der Lift nur wenige Fußmeter entfernt liegt. Super praktisch war auch, dass wir nicht nur den Lift vor der Haustür hatten, sondern auch den liebevollsten Boardverleih. Hier wurde sich unglaublich fürsorglich um uns gekümmert. Ich bin die erste Abfahrt nämlich andauernd im Lift immer mit dem Fuß vom Brett gerutscht und hatte dringend ein Pad nötig. Das gleiche Problem hatte ich letztes Jahr bereits und war daher schon kurz davor bockig zu werden, also ab zum Verleih und schon konnte es wieder los gehen. Im Verleih durfte mir dann gleich das zweite Mal den Vorschlag zur Änderung der Fußpositionen anhören. Letztes Jahr war ich so verunsichert, dass ich diesen Vorschlag beharrlichste, gar panisch ablehnte. Der Besitzer versprach mir aber sofort alles zurückzustellen, wenn ich mich auch nur eine Minute nicht wohl fühle. Hier also traue ich mich. Vertraue. Und was soll ich sagen, ab und zu darf man dann doch mal auf die Profis hören, der Tag auf der Piste ist grandios und ich will am Nachmittag gar nicht aufhören, weil es so viel Spaß macht. Der Knoten ist geplatzt.

Auch wenn ich jetzt gerade im frühlingshaften Berlin sitze, denke ich an meinen letzten Snowboardtag zurück und strahle übers ganze Gesicht. Wir genoßen die wenigen Tage in vollen Zügen. Kurz und knapp Oberwiesenthal war toll. Trotz des kleines Gebietes, hast du auch hier verschiedene Abfahrten und Bauden zum Pause machen und um für ein paar Stunden zu boarden vollkommen ausreichend. Wer mehr Abwechslung möchte sollte tatsächlich nach Österreich oder die Schweiz fahren, aber darum ging es uns diesmal ja nicht. Oberwiesenthal hat sein Ziel mehr als erfüllt und ich freue mich bereits auf die nächste Wintersaison.

*ES WERDEN AFFILIATE LINKS GENANNT. NACH AKTUELLER RECHTSLAGE IST ER DAHER ALS WERBUNG GEKENNZEICHNET.

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