Personel

HALTESTELLE

 

Ich sitze hier und wünschte du liegst neben mir. Ich erinnere mich an unser letztes Treffen. Ich will dir so viel sagen, doch am Ende spotte ich wie immer nur kurz. Wir hängen mal wieder zwischen unseren Missverständnissen, verschobenen Möglichkeiten, Unsicherheiten und offenen Realitäten. Will stehen bleiben, doch laufe weiter. Stelle mir vor wie du mich ansiehst, zur dir ziehst und mich küsst. Ich schmecke dich noch jetzt und sehne mich nach Nähe, nach Liebe und Anziehung. Möchte Zuneigung. Es fehlt.

Was kann ich schon erwarten? Genau das hier sind immer wieder wir. Wir ziehen uns immer genau so lange an, bis wir uns nur weniger Momente später wieder abzustoßen. Irgendwas zieht uns zueinander. Der Rest bleibt unausgesprochen. Ich fand das schön. Irgendwie spannend, vielleicht dachte ich auch, dass das unsere Geschichte ist. Nie ganz durchschaubar, nie ganz greifbar. Romantisiere es, uns nicht zu haben. Das tue ich seit dem wir uns kennen. Es ist die Angst vorm Abriss, der mich verharren lässt. Noch ein bisschen länger zu warten.

 

Vertrautheit. Schweigen.

 

Vielleicht ist das alles, was wir waren. Ein kurzer Augenblick, eine Umarmung, ein Wiedersehen, kein Kuss und doch eine Nacht. Vielleicht können wir nicht anders, als immer wieder aneinander vorbei zu rennen. Vielleicht liegt darin der Zauber. Ich hab eigentlich nie gewusst, woran ich bin. Ich wusste von Anfang an nicht, ob ich da tatsächlich eine echte Chance will. Und am Ende haben wir doch zu lange gebraucht um hier zu landen. Irgendwie hängt zu viel Erwartung dran, zu viel Geschichte. Kenne zu viel von dir, obwohl ich so viel nicht weiß. Trotzdem nicht bindungslos, nicht einfach nur betrunken oder optionsgeschuldet. Ich habe für den Moment weder Nähe noch Distanz. Vielmehr genießen wir die, in denen es uns zueinander hinzieht, mag, wie entschleunigt wir für diese Minuten sind und nichts an uns sich deduziert anfühlt.

 

Will ich dich oder die Vorstellung, wie du wärst, wenn wir tatsächlich etwas wären? 

 

Ich will dich eben nur manchmal und dann irgendwie zu doll und du mich nicht genug. Ich will dich wahrscheinlich nicht aus den richtigen Gründen. Ich will das Gefühl in komplett, in echter, in länger. Vermisse den ausbleibenden, unaufhörlich hämmernden, Herzschlag wenn du mir tief in die Augen siehst. Aber genau der so gut und richtig wäre. Weil ich für dich wahrscheinlich gerade zu viel bin. Dich überfordere. Du nicht an mich rankommst. Emotional und gedanklich. Ich einfach auf einem anderen Level schwebe, zu schwer, zu tiefgründig und zu viel will. Leicht, abenteuerlich aber irgendwie mit mehr Tiefgang als du es gerade geben kannst und mehr noch willst. Ich aber genau das brauche, dieses positive Drama. Es muss mich überraschen und überfahren. Diesen Punkt haben wir verpasst, weil du so nicht bist. Weil wir uns schon zu lange wollen und doch immer aneinander, nebeneinander herlaufen ohne uns je ganz zu kriegen. Und ich dich eben nur ab und zu mal an der Haltestelle abhole, abholen kann, aber immer abholen werde.

 

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20. Juli 2019

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