Personel

THROWBACK | 2019

New Year – New Me? Ich bin kein Mensch, der Neujahrsvorsätzen eine Bedeutung schenkt. Meist lässt man genau diese bereits am 3. Januar ganz ausversehen irgendwo liegen und kramt sie vollkommen verstaubt am 30. Dezember wieder raus um festzustellen sie wieder nicht eingehalten zu haben. Doch ich werde zum Jahresende meist kurz sentimental, ich hasse Abschiede, auch von alten Jahren – nur dieses Jahr nicht. Dieses Jahr kann ich das Ende kaum erwarten. Ich brauche „Neubeginne“ um mich von alten Lasten verabschieden und mit Dingen abschließen zu können, einfach, um neu durchzustarten. Dieses Jahr schaue ich mit unbeschreiblicher Dankbarkeit und neugewonnender Stärke zurück. Also – dieses Jahr irgendwie dann doch New Year – New Me.

Ich hab dieses Jahr ziemlich viel gelebt, hab viel öfter einfach mal gemacht statt nachgedacht. Bin wieder unheimlich viel gereist. Hatte eine Reise, die eine alte Schulfreundschaft nicht aufgewärmt, sondern besser als zuvor gemacht und mir dieses Jahr viel Kraft gegeben hat. Ich habe Dinge gewagt und gemacht und ausprobiert und habs drauf ankommen lassen, einfach so. Bin ganz spontan und verrückt, dass erste Mal mit jemanden verreist, den ich kaum kannte und habe die italienische Insel Sizilien entdeckt. Bin dieses Jahr auf neun Konzerten rumgesprungen. Habe dieses Jahr gebangt, gezittert und schlussendlich den wohl mitreißesteten Aufstieg unserer Mannschaft Zuhause, im eigenen Stadion feiern dürfen. Noch immer mit Gänsehaut und Glückstränen. Was waren das für aufregende Wochen. Spannend, emotional und ohne Rücksicht auf unsere Nerven. Ich habe dieses Jahr viel zu wenig geknutscht und viel Zeit mit mir selber verbracht, bin alleine ins Kino und essen gegangen, bin alleine verreist und hatte dann wieder Dates und bin auf die Nase geflogen und hab es dann schnell wieder gelassen. Ich bin um unfassbar witzige Storys reicher und hab wieder festgestellt, dass das alles ein einziges Wirrwarr ist. Aber trotzdem irgendwie manchmal schön. Ich habe wieder mehr Bücher gelesen. Habe mir an meinem Geburtstag Tattoo drei und vier stechen lassen. Ich habe wieder einmal die schönsten Sonnenuntergänge genoßen und mich haben fortan die wunderbarsten Regenbögen überall begleitet.

Ich habe dieses Jahr von einen meiner geliebtesten Menschen für immer Abschied nehmen müssen. Ich habe zusehen müssen wie geliebte Menschen in ewiger Trauer zurückbleiben und dass Trauer unterschiedlich verarbeitet wird. Ich habe dieses Jahr mehr Angst denn je gehabt. Ich habe schreckliche Diagnosen erlebt und die Augen vor der Realität verschlossen. Ich habe den Boden untern meinen Füßen mehrmals verloren. Habe einen Spagat zwischen Büro und Krankenhaus bewältigt und gemeinsam jeden Tag gebangt, gehofft und gekämpft. Ich habe geschwiegen und unheimlich viel geweint und dann wieder Stärke gezeigt. Ich habe dieses Jahr lernen müssen große Träume loszulassen und meinen Job gekündigt. Und mit all dem alles einmal auf Null gesetzt.

Ich habe dieses Jahr gelernt Grenzen zu setzen; wie schwierig loslassen sein kann, oder sich wieder auf jemanden einzulassen; wie sehr mich Chaos belastet und dass es von einem ruhigen Herzen zeugt, jeden Tag so zu nehmen, wie er kommt. Ich habe gelernt, dass lesen und schreiben für mich Klarheit und Liebe bedeuten und mich glücklich machen. Ich habe in eine Yogaroutine gefunden und Meditation für mich entdeckt und habe mehr Klarheit denn je gewonnen. Ich habe mich final vom surfen verzaubern lassen und dadurch unheimlich viel Selbstvertrauen geschöpft, es wurde zu meinem ganz persönlichen Welt-Aus-Schalter. Ich habe gelernt mich zu öffnen; mich selbst zuheilen; keine Scheu davor zu haben laut auszusprechen was ich fühle und vielmehr noch auf mein Herz zu hören. Und ich hab, vielleicht auch genau deswegen, in diesem letzten Jahr gelernt, zu den richtigen Dingen Nein und zu den wirklich wichtigen Dingen Ja zu sagen. Ich hab gemerkt, dass es manchmal okay und notwendig ist, anzuecken und dass man manchmal auch in Kauf nehmen muss, nicht Everybody’s Darling zu sein. Das fällt mir aber immer noch ziemlich schwer. Ich bin habe endlich begonnen meine Verlustangst zu bekämpfen. Ich hab dumme Sachen gemacht und Dinge gesagt, die ich nicht so gemeint hab, aber irgendwie immer versucht, das Richtige zu tun. Ich hab ein Stück weit gelernt, mehr und öfter zu hinterfragen, wer und was mich glücklich macht und meine Zeit, Gedanken und Energie dementsprechend zu verteilen.

In diesem Jahr gibt es auch ein wenig, was ich ab jetzt hinter mir lassen möchte. Ich lasse die Vergangenheit hinter mir. Ich möchte alten Wunden keinen Platz mehr zum aufreißen geben, denn Vergangenes bleibt wo es hingehört. Ich akzeptiere, dass wenig so bleibt wie es mal war. Ich lasse die Menschen hinter mir, due sich mir gegenüber nicht loyal verhalten und nicht mit mir gemeinsam wachsen können und mein Glück feiern. Ich lasse die Angst vor Veränderung hinter mir, Dinge zu ändern bedeutet zu wachsen. Stillstand bedeutet Rückstand und ich möchte vorankommen. Ich lasse einen ersten Teil meiner Ungeduld zurück, möchte Dingen mehr Raum und Zeit geben und lernen durchzuatmen. Ich lasse so auch den Großteil meines Zerdenkens los. Ich vertraue mehr in meine Entscheidungen und darauf, dass alles einen Sinn ergibt.

In keinem Jahr hab ich so viel über mich selbst gelernt, wie 2019. Leicht und schön war es nicht! Aber ich hab das Gefühl, ein großes Stück besser zu wissen, was ich will und was nicht. Dieses Jahr war ziemlich voll. Voll mit hunderten Geschichten und Erlebnissen, mit viel Trauer aber mindestens genauso viel Stärke und Rückhalt von meinen Lieblingsmenschen. So vieles scheint mir schon ewig her und so vieles scheint gerade erst gestern passiert zu sein. Und wenn ich das alles so lese scheint es nicht annähernd dem gerecht zu werden was ich erlebt und gemacht habe dieses Jahr. Dankbar bin ich – für alles, was mich herausgefordert hat, wer mich herausgefordert hat, für jede schwierige Situation, für jede unfassbar stressige Phase, für jeden unfassbaren Blödsinn, den ich gemacht hab, für die unfassbar fabelhaften Menschen in meinen Leben, meine Familie und meine Freunde. Wie sagt man so schön, Menschen sind wie Bücher in einer Bibliothek unseres Lebens – einige füllen ein Kapitel, andere nur eine Fußnote und manche stellen wir in den Titel. Ohne meine Lieblingsmenschen, hätte ich einige Kapitel aus 2019 nicht abschließen können, schlechtere Lehren aus ihnen für weitere Kapitel gezogen und weniger Mut für neue gehabt. Ich bin so unbeschreiblich dankbar für euch, dass es sich nicht in Worte fassen lässt. Euch stelle ich in den Titel in Großbuchstaben und fett statt nur kursiv. Ohne euch hätte ich dieses Jahr nicht geschafft. Dankbar für euch, für eure Schulter an den dunklen und den Blödsinn an den zauberhaften Tagen.

Was ich dieses Jahr aber vor allem gelernt habe, man braucht eigentlich nichts außer Liebe und Freundschaft und ein bisschen Humor. Damit kann man alles schaffen. 2020 – ich bin bereit.

xoxo

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