Personel

AUFBRUCHSTIMMUNG | # I

FRIENDSHIP DIARIES

– # I –
Neuanfang – alles auf Null

Das hier klingt nach Magie, nach Sternenstaub und nach Neuanfang, nach dem Duft von Blumen, nach wunderbaren Zufällen und Fügungen, nach Abenteuer und nach nach Hause kommen. Es fühlt sich nach Freiheit an, weniger und gar nicht mehr zurückhalten, endlich anfangen aufzuhören, spüren statt beobachten. Dieser Sommer und dieses Jahr wird ohne Kopfzerbrechen gelebt. Dieser Sommer und dieses Jahr #AktionAttacke. Oder?

Dann der Schlag. Lockdown. Das Abenteuer verschleiert. Die bunten Farben, der süße Geschmack des Sommers verblassen zu grau, schmecken Fade und ändern sich. Pandemie, Lockdown und Veränderungen hinter jeder neuen Tür. Journals von dir und mir und uns …


#01

Die Sonne scheint auf meine noch vom Winter zu blasse Haut, der Wind kitzelt leicht meine Nase, noch immer etwas verschlafen überrollen mich die Neuigkeiten auf der Plattform und unsere blonden Strähnen wehen durch die Luft. Ich gucke sie an und muss ungläubig lachen. Da sitzen wir auf der Wiese mit unseren Flausen im Kopf und unserem Plan für diesen Sommer und tauchen zunächst ab. Voller Elan und mit viel Vorfreude auf das was kommt… Deine Nachricht erscheint auf meinem Display. Völlig überfordert mit den ersten Eindrücken und den Anfragen fremder, interessanter Personen bleiben wir bei unserem Plan und kreieren uns mehr und mehr einen Rahmen, neue Erfahrungen und Neugierde – Durchziehen, Chancen geben. Manche Erfahrungen brauchen eben etwas Zeit um sich zu entwickeln. Die ersten Date Anfragen, doch … für den Moment lasse ich das Handy zurück in meine Tasche gleiten, schnappe Hund und Buch und fahre zu meiner Familie.



#02

Ich sitze auf meinem Küchentisch und muss immer wieder lachen, schüttele den Kopf über bestätigte Vorurteile und befreie mich über all jene die ausbleiben. Was haben wir denn zu verlieren? Die ersten Zeilen sind ausgetauscht, nette und geradlinige Konversationen geführt. Ein Lehrer der sofort das Ganze will und eine Abmachung die man nicht bricht. Ich akzeptiere es als das was es für den Moment ist, Ablenkung. No risk, no fun. Und dann kommt doch alles anders … Ein Match mit Folgen.

Schlaflose Nacht, das erste Brechen der eigenen Regeln. Ein unglaublich intensiver Austausch zwischen Fremden und doch Bekannten. Was machst du nur mit mir? Als ihre Stimme den Hörer abnimmt übernimmt die Aufregung auch langsam mich. Dein Lächeln, die Euphorie in deiner Stimme lassen mich grinsen. Strahlend durch den Wald springen und träumen. Nur für einen Moment sauge ich auf und denke an dich. Ich spüre diese Leichtigkeit und dieses Kribbeln und ich genieße. Sauge es ein, für mich, spüre mein Wohlbefinden. Sollst du oder sollst du nicht? Du sollst mein 1.Date sein.



#03

Und dann ist es soweit, ich tauche ab mit diesem Gefühl von Vorfreude und Aufgeregtheit und bin 8h einfach nur gefangen. Merke zwischendrin die Stimme in meinem Kopf die mich immer wieder fragt, was mach ich eigentlich hier, es kann sowieso nicht ohne Folgen funktionieren. Und dann bist du wieder da und bringst mich dazu meine Trauer und Sorgen zu vergessen. Irgendwas hält mich an dir fest. So, let’s try! Deal? Die Nachrichten dieses Tages sind schon grausam genug.

Ich lese die Zeilen und starre immer wieder auf den 31.08.2020. Die Wahrscheinlichkeit der Absage unserer Festivals, der so lang ersehnten freien Tagen voller Freiheit im Musikrausch und Endorphinüberschuss, überrascht mich nicht. Nichts was ich zum ersten Mal höre. Aber die Hoffnung und meine Naivität, der Glaube daran, dass am Ende doch alles gut wird und was lange währt jetzt nicht einfach verfließen kann, gibt mir Kraft. Lässt mich immer wieder in meine kleine Blase zurückkehren, von dem da draußen nichts an mich ranlassen lässt. Mich abschirmt. Und dann steht da dieser 31.08.2020 – schwerer als diese paar Ziffern sein könnten. Alle Großveranstaltungen abgesagt. Es liegt auf meinen Schultern und in wenigen Sekunden realisiere ich. Fasse und fass dann doch wieder nicht. Und da fühle ich mich das erste Mal betroffen. Realisiere was passiert noch immer nicht in Gänze, aber glaube erstmalig anzufangen zu begreifen. Meine kleine heile Welt löst sich in diesen Momenten auf. Meine Leichtigkeit und Naivität der letzten vier Wochen zerplatzt wie eine Seifenblase in der Dunkelheit der Nacht. Wir alle hatten gerade nicht viel in der Hand.


“Was wir verändern konnten, waren die kleinen Dinge, wie lange wir es festhielten und mit wie viel Kraft, mit welchem Ziel oder Gefühl wir schließlich selbst die Energie geben – oder einfach los lassen.” – Lina Mallon


#04

Ich bin wieder aufgeregt, telefoniere mit dir noch bevor ich den Motor abstelle. Alles was ich gerade brauche ist eine Umarmung von dir. Während ich noch den Regenbogen über deinem Haus bewundere, bist du schon längst auf den Beifahrersitz meines Autos gesprungen. “Hi” verschmitzt blinzelst du mich an. Wenige Minuten später befinden wir uns im kalten Sand. “Wie machen wir nun weiter?” Die Gedanken bringen mich um den Schlaf. Mein Blick schweift in die Ferne, verliert sich in den gold glitzerndem Farbspiel des Wassers in der untergehenden Sonne. Ich schaffe es nicht dir in die Augen zu sehen, schaffe es nicht mehr dir weiterhin mein Innerstes zu zeigen, auch wenn es das wäre was ich gerade brauche. Vielmehr möchte ich mich an dich lehnen, mich in den Knitterfalten deines Pullis vergraben, meine Arme um dich schlingen und warten – warten bis dieser ganze Spuk endlich vorbei ist. Stattdessen schaue ich weiterhin zum Wasser, weg von dir und weg vor dem was vor uns liegt. Vielleicht vielleicht finde ich hier das was ich brauche und so werde ich weiterhin erstmal mit dem Fahrtwind gehen.

” Grenzen verschwinden zwischen Fremden und Freunden
Jede Begegnung kann alles bedeuten
Vielleicht, vielleicht find’ ich hier das, was ich brauche
Vielleicht, vielleicht nenn’ ich dich bald mein Zuhause
Und ich gehe mit dem Fahrtwind
Lass’ es einfach passieren
Egal in welche Richtung
Ich hab’ eh nichts zu verlieren
Ich gehe mit dem Fahrtwind
Lass mich fallen”


Fahrtwind – Ela.


#05

Alle guten Dinge sind Drei. “Mach was dir gut tut, das selbe hättest du mir auch gesagt”, ich steige ins Auto und fahre diesmal nicht weit. Lasse einfach erneut los und genieße. Die Sorgen im Kopf vergraben. Sehe dich in vielen Facetten und merke ein einsetzendes Wohlfühlempfinden, wenn ich in deinen Armen liege. Das alles fühlt sich so weit weg an. Fühlt sich so unendlich gut an. Reden, über das Leben und die Liebe – Kuchen essen und die ersten kleinen Farbpigmente haschen, abends zeichnet sich mein Armband leicht ab. Doch die Realität und die Stimme im Hinterkopf holen mich irgendwann zurück. Vertrauen und doch keine Zufriedenheit und dann muss ich einfach eine Entscheidung treffen, halte inne, drücke auf Pause und finde vor allem (wieder) zu mir selbst. Abends verliere ich mich mit euch in unserem drei Stündigen Mädchencall. Brauche eure warmen Worte, euer Verständnis, eure Träume und unseren Mut. Zwischendrin ein schneller Nummerntausch bevor ich mich final unter meine Bettdecke kuschel. #sistervormister


#06

Seit Tagen kein swipe, keine Nachricht, vielmehr zähle ich heimlich die Tage bis zu unserem Treffen. Unsere Leichtigkeit ist uns irgendwo abhanden gekommen. Ich, Du wir wollen Abstand gewinnen, um uns all dessen bewusst zu werden. Und dann holst du mich irgendwo in meinem Wirrwarr ab und wir machen einen neuen Deal. Samstag? Zwischen all dem suche ich den Fehler. Die neue Leichtigkeit überrollt mich so sehr, dass ich nur darauf warte, dass die Blase platzt. Mit jeder neuen Nachricht fängst du an mich in deinen Bann zu ziehen. Und dann bin ich gespannt auf die Stimme, die all den interessanten Gesprächen leben einhauchen soll. Der Zauber verfliegt. Zusammen mit den leichten Wellen der Spree gleiten meine Neugier, meine Interesse nach Nähe minütlich davon. Die Sonne geht über der Spree unter. Es ist nicht so, dass ich mich mit ihm fühlte als würde eine Uhr ablaufen, vielmehr denke ich an dich. Ich sauge die letzten warmen Lichtstrahlen auf. Langsam färben sie sich in orange-rot und schließlich ins schwarz. Sobald ich im Auto sitze, möchte ich nur zu dir. Durchfahren, dir alles erzählen währenddessen ich mich final in deine Arme schmeiße. Was hast du mit mir gemacht – stehen wir vor dem Ende?


#10nnvvv


#07

Es tut gut, neu, offen, leicht und mit einem breiten grinsen auf den Lippen durch diese gerade sehr verrückte Welt zu springen. Vielleicht war es das was ich / was wir gebraucht haben. Nochmal einmal kurz zurückversetzen, sich daran erinnern wie unbefangen und neugierig ich mich, die Welt und alles in ihr sah. Am Ende sind es doch wir selber, die uns alles schwer machen. Er schreibt mir, dass er mich wieder sehen will und dann ist da noch wer anders. Diese Aufmerksamkeit offline – mit allen Markeln, zersausten Haaren, kleinen Pickeln und diesem ehrlichen Lächeln. Das tut gut. Das ist so ehrlich. Davon möchte ich gerade mehr. Ich sauge all das auf. Deine kleine Mädchenstimme hektisch und so neugierig auf mich einredend, euch beide neben mir auf dem Fahrrad. Ich werde es nie in Worte fassen können, was ich für dich kleines/großes Wesen empfinde. Gemeinsam finden wir zu unserer Leichtigkeit zurück und auch ich genieße dieses kribbeln im Bauch und beschließe einfach nur zu genießen und rechtzeitig den Absprung zu schaffen. Ich lasse mich umarmt von den letzten Sonnenstrahlen des Tages auf den erwärmten Stoff der Couch fallen. “ Ist Option Eins noch eine Variante für dich. Ich möchte die Wahrheit!” Deine Stimme schmettert durchs Telefon. “Wann fangen wir wieder an gemeinsam zu lachen?” “Nein, aber das hier ist dennoch nicht das was ich möchte.” Dann lege ich auf.


#08

Mit Oreoshake in der Hand und Sonne im Rücken bin ich immer wieder erstaunt, auf welche Ebene diese Zeit unsere Freundschaft hebt. Ich fahre voller Vorfreude los und werde schon auf der Bahnhofstraße ernüchtert. Wieso? Du scheinst es gespürt zu haben und wolltest mich nur noch ein letztes Mal verabschieden. Eigentlich nett, denn ich merke wie es mich erst noch wurmt und später nicht mehr beschäftigt. Als ich bei ihm ankomme zählt für den Moment nur noch er. Ich wollte eigentlich ein Buch mitnehmen für den Fall, dass er nicht erscheint. Und dann sitze ich da 12 Minuten verspätet auf einer Parkbank mit Tischdecke und zwei Weingläser vor uns – die Szenerie gleicht einer italienischen Produktwerbung. Ich komme aus dem Lachen nicht mehr raus und genieße die Facettenreichheit der Menschen. Ich bin fasziniert von deinem Tatendrang und schmunzel über deinen selbstauferlegten Deal nachdem wir uns zum erstmal Mal küssen. Den Deal werden wir natürlich nicht einhalten und du bringst mich genau deswegen wieder ein Stück weit zu mir selbst zurück und zeigst mir Dinge die ich längst vergessen habe. Abends kann ich kaum schlafen. Die Eindrücke der letzten Tage, die Gedanken und die Hoffnung. Bis ich irgendwann final doch in deinem Arm einschlafe. Wenn auch nur kurz …

#10bvg


#10bvg

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#10bvg

#09

Viel zu kurz die Nacht, genießen, dich fest bei mir spüren und dann kommt der Moment wo man nicht gehen will. Als ich mich endlich, ungewiss wann wir uns wiedersehen, von dir löse. Sunday ist Pancake Day. Wie lange habe ich das nicht mehr zelebriert. Früher hat unsere kleine Große immer Pancakes für uns gemacht, sie hat es geliebt und seither habe ich mir das angewöhnt. Der Duft der brutzelnden Eierkuchen lässt mich jedes Mal schmunzeln, den Erinnerungen nachhängen. Ich dekoriere Äpfel, Zimt und Ahornsirup. Das Klingeln der Tür reißt mich aus meinen Gedanken. Doppeltes High Five. Genau das hier war trotz aller Zweifel das Richtige. Gackernd lachend, tauschen wir die Neuigkeiten aus. Bevor wir uns verabschieden lehnen wir kopfschüttelnd im Türrahmen. Den Dicken auf dem Arm, die Fellnase fröhlich neben mir spazieren wir so durch die Gegend. Philosophisch leicht – wie habe ich es vermisst. Zwischendurch bekomme ich immer wieder Nachrichten, die irgendwie ziemlich nett sind und sich teils wie Honig für die Seele und doch nicht ganz richtig anfühlen. 42,69 km und einen wunderschönen Spaziergang später sitzen wir bei Pizza Tresoli wieder gemeinsam auf dem Balkon. Was ein wunderbarer Sonntag.

#10bvg


#10bvg

#10

Ich spüre ein Gefühl von Mulmigkeit vermischt mit Kribbeln, als ich in deine Straße einbiege. Das hier bekam ein Verfallsdatum, schneller als wir uns wünschten. ” Komm doch mit zum Barbecue”. Ich weiß nicht, ob mir das nicht alles zu schnell geht. Ich möchte die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen, vielmehr entschleunigen. Dich hören, so unbeschwert leicht in all dem Chaos. Schöne Seen und Parks, jeder seine Club Mate und Pizza. Endlich fangen wir wieder an nur das jetzt und hier zu genießen. Der Sommer so ganz anders als geplant und gedacht verteilt seinen ganz eigenen Charme. Dankbarkeit breitet sich abends aus. Lehnend im Türrahmen des Balkons, den Gedanken nachhängend, erschrecke ich vom klirren meines Telefons. Deine Stimme schallt vertraut durchs Gerät. Viel zu lange wars schon wieder her. Ich weiß nicht was all das gerade mit mir macht. Will nicht eingestehen, genauso wenig wie du. Lass uns das doch nur noch ein wenig wegschieben und hoffen . . .

#10bvg


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