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AUFBRUCHSTIMMUNG | # II

by resiheinrich

FRIENDSHIP DIARIES

– # II –
Erkenntnis – vom Dich suchen und Uns finden

“Ab Montag geht also der Alltag auch wieder für mich los.” Sie sitzt hinterm Steuer neben mir. Zwischen uns diese Schwere, diese unausweichliche Gewicht an Unsicherheit, Absagen und verpassten Chancen, Träumen und Beklemmungen. Das alles fühlt sich komisch an. Wir befinden uns irgendwo zwischen surreal und real. Nach müde kommt blöd und was kommt nach Corona? Egal was, zusammen schaffen wir das! Und trotz aller Schwere, trotz der fehlenden Leichtigkeit, die sich schneller verzogen hat, als das Kaninchen bei der Flucht vor dem Fuchs, strahlst du mich an gibst mir dein Telefon über den Lenker und ich spüre deinen Stolz in jedem Millimeter zwischen uns. “Kannst dir dann bitte mal überlegen ob du mir die Ehre erweisen möchtest, nächstes Jahr meine Trauzeugin zu sein” – da brauche ich nicht drüber nachdenken und antworte dir unter Tränen in den Augen sofort. Der Tag geht zu Ende und wir werden mit einem wunderschönen Regenbogen belohnt. Der schönste Regenbogen, intensiv und vollkommen in seiner Farbenpracht. Schlussendlich machen wir weiterhin das Beste draus, bleibt uns ja nichts anderes übrig!


#11

Die Stimmung, die sich seit Tagen angedeutet hat, breitet sich spätestens jetzt in aller Möglichkeit aus. Ich starte den Tag mit euch und dem traditionellen Maisprung und schon auf dem Nachhauseweg verliere ich mich in Gedanken und Fragen, in was für einer Zeitwir hier eigentlich gerade leben. Ist das ein schlechter Aprilscherz oder der falsche Kinofilm? Klitschnass zuhause angekommen , springe ich unter die heiße Dusche und realisiere, dass es nicht nur der 1.Mai oder eine schlechte Netflixentscheidung ist . . . Jahre sind vergangen und wieder versinke ich in der Kritik. Was ist aus uns geworden, irgendwie ist irgendwann jemand ausgestiegen und der andere weiter gegangen und nun sind wir nur noch? Was genau eigentlich? Ich schiebe die Gedanken weg, lasse die letzten Wassertropfen an meinen Körper und damit auch die Antwort von mir abrutschen. Melancholisch und enttäuscht. Berlin sollte voll und laut sein, mehr als sonst überhaupt schon, bunt und schrill – Welten die aufeinander prallen. Doch davon ist nichts spürbar. Ich möchte nicht reden, mich lediglich unter meiner Decke verstecken. Alles nervt. Ich schreibe dir noch genau die drei Zeilen, die ich jetzt seit Tagen vor mir herschiebe und finde endlich kurz und knapp die richtigen Worte bevor ich erschöpft einschlafe. Als ich wenig später wieder wach werde höre ich deine Stimme am anderen Ende. Wenn du nur wüsstest wie sehr mich das hier beschäftigt, wie sehr ich mich mittlerweile manchmal nach dir sehne. Aber in diesen kurzen Minuten sind wir einfach wieder nur wir. 



#12

Ist das jetzt dieser Weltschmerz oder bin ich einfach verwöhnt? Zu verwöhnt, jetzt nicht akzeptieren zu wollen, dass ich mein geliebtes Spielzeug nicht haben kann und einen Moment noch warten muss um endlich wieder herumspringen zu können? Zu verwöhnt, dass ich mich in first world Problems verliere und mich runterziehen lasse, ohne realisieren zu können, was ich um mich rum alles habe und wie dankbar ich sein könnte … müsste. Manchmal hilft ausschlafen, weiterschlafen – bis man aufwacht, wenn alles wieder gut ist. Abends öffne ich mich dir und gebe zu, dass mir etwas fehlt. Spreche aus, was mir sonst so schwer fehlt und bin überrascht über die Reaktion. Absagen, ist etwas was ich lernen muss und du machst mir den Prozess ziemlich leicht – bis halb zwei reden wir und machen uns ein wenig verletztlich, ohne dass wir das nachhaltig müssen. Das tut gut. Erleichtert schreibe ich dir noch schnell eine Nachricht um die alte Leichtigkeit zurückzugewinnen, ohne zu wissen, dass ich in den folgenden Tagen nichts weiter von dieser und dir spüren werde …



#13

Ich schlaf neben dir ein, ich wach neben dir auf und irgendwann in den letzten Tagen hast du angefangen dich von mir zu entfernen oder entferne ich mich von dir und zweifle zu sehr an mir selbst, um uns diese unbeschwerte Zeit zu ermöglichen? Ich fahre nach Hause, ohne zu wissen, ob wir uns wiedersehen werden und ob ich das überhaupt möchte. Und bin am Abend gefangen in unseren Worten. Ich dachte immer die schlimmste Nachricht auf dich bezogen wäre eine andere gewesen. Doch dann klingen ihre Worte in meinem Ohr wie ein schlechter, wahr gewordener Albtraum.

Noch fühlt sich alles so taub an. Habe ich das geträumt. Immer wieder habe ich die Situation gefüllt. Und dann endlich bin ich so unendlich wütend. Endlich macht alles einen Sinn. Ich begreife, atme und lasse los. Lasse dich los. Veränderungen tun manchmal weh und diese hier war bittersüß. So bitternötig.



#14

Mein Herz pocht, als wolle es aus meiner Brust springen. Wie lange ist das letzte Mal her? Ich bekomme keine Luft. Träume von ihm und dir. Langsam verschwimmen alle Geschichten und meine Angst meldet sich. Verdrängtes stößt an die Oberfläche. Schweißgebadet und im Halbschlaf schicke ich die Nachricht auf meine Reaktion ab. Reaktionen aus dem Traum. Während ich die nächtliche Nachricht bereits vergessen habe schaue ich irritiert auf deine Antwort auf meinem Display. Pochen, Rasen, Schwindel. Meine Hände zittern. Mir wird schwarz und ich ringe nach Luft. Was geht hier gerade vor sich? Das ist doch nicht wahr. War das alles ein Spaß – aller guten Dinge sind Drei? Dieser schon vergessene Druck auf meiner Brust breitet sich aus.

Und dann erscheint da dein Bild auf meinem Display. Student, sind denn mittlerweile alle durchgeknallt ?



“Warum muss unser Gegenüber eigentlich immer alles, was wir eigentlich wollen, umwerfen und eine neue Richtung festlegen. Wir müssen unbedingt aufhören uns finden zu lassen. Wir müssen aufhören, keine Erwartungen zu haben.
– Lina Mallon.



#15

Ausschlafen, den Tag langsam ankommen lassen. Ablenkung ist was ich gerade brauche. Musik laut aufgedreht mache ich mich mit Sommershirt und Sonnenbrille auf den Weg zu dir. Sommerluft weht mir um die blonden Haare und glitzert in der Sonne. Ich bin wie gelähmt am Telefon und irgendwie schaffen wir dennoch einen Smalltalk. Ich sage dir, dass ich das Gefühl hatte fünf Schritte auf dich zu zu machen, währenddessen du dich diese von mir entfernst. Diesen Anschein wolltest du nicht hinterlassen und so wünsche ich dir eine gute Reise und lasse unsere offen. Vorallem um mich selbst zu schützen oder ist das schon zu spät? Du kamst, hast meine Welt kurz Kopf gestellt und gingst … Wenig später philosophiere ich und beobachte das Glitzern von eben im Wasser. Höre und lausche, lasse mich bekochen und schalte ab. Ein kühler Weißwein in den Händen haltend. Mit jedem Zug entspanne ich und lasse alle Anspannung mit dem Rauch verziehen. Irgendwann zum Abend sitzen wir mit euch und ganz vielen Gedanken, zufrieden, glücklich und mit Vorfreude auf der Decke in der Wuhlheide und leben einfach nur im Hier und Jetzt. Theo auf unserem Schoß bis in die späten Abendstunden. Der Himmel ist sternenklar – das hier sauge ich auf und nehme ich in die neue Woche mit. Keine Termine und leicht einen sitzen.



#16

342 Zeichen. Deine Worte klingen so süß. Irgendwas an dir machte mir Hoffnung. Wieso kann ich nicht einfach annehmen, ich verkompliziere, verkopfe und vergesse mein Mantra an meinem linken Fuß. Impulsiv reagiere ich. Worte die seit Wochen raus wollten aber nicht wussten wie, Worte die Angst haben zu zerstören, weil sie die Macht dazu haben, wenn sie nicht richtig gewählt werden. Send.

Aufgeregt und in mir ruhend fahre ich zu diesem Termin auf den ich schon fast zu lange warte –  die Zahlen gezeichnet auf meiner Haut. Und als ich die erste Nadelspitze spüre vermisse ich. Eine weiche Träne rollt über meine Wange und ich lächele zufrieden. Heimatliebe unter der Haut.



#17

Ich steige ins Auto zu dir. Fix ein paar Dinge in der Stadt erledigen. Ich berichte dir schon wieder mal von meiner Nadel im Heuhaufen und der gruseligen Verbindung zwischen euch allen. Langsam ist es wirklich nicht mehr normal und ich kann nur darüber lachen. Mein kleines Punkteverbindungssystem.

All die Menschen, Gespräche, Anfragen, Gedanken und Gefühle sind mir eindeutig endlich zu viel und überrollen mich gnadenlos. Die Stadt fühlt sich wenig nach Freiheit mehr nach einem dunklen Käfig an. Ausgiebige Gespräche mit euch, kurze Tränen beim nach Hause kommen, UNO und einfach nur das hier und jetzt genießen. “Nein, du kannst keine bunte 4+ auf eine gelbe 2+ legen”, na und wieso eigentlich? Wir machen uns die Welt wie sie uns gefällt. Das Glas läuft über und ich entspanne mich mit euch und hole Luft für die nächsten Tropfen.



#18

“Irgendwo her kennen wir uns doch. Deine Stimme kenne ich.” Der Krimi geht weiter, wann finden wir die nächsten Verbindungspunkte und dann, macht es klick. Als damals meine Kraft und mein Selbstvertrauen anfing, wehrte ich dich ab. “ Du wusstest irgendwie genau was du wolltest und warst ganz schön robust, da dachte ich mir ich spreche dich später nicht nochmal an, sie hat sicher eh kein Interesse.” Zack das hat gesessen. In der Sonne schauen wir den Booten beim anlegen und ablegen zu, eins nach dem anderen. Ich mache die Augen zu und atme durch. Als ich sie wieder öffne sehe ich aus dem Augenwinkel wie du mich beobachtest, und irgendwie fühlt es sich gut an. Irgendwie mal endlich nicht unangenehm. “Darf ich dich wieder sehen?”


“Es geht um Angst und Mut, um Verlust und Versagen,
um Heimat und Zuhause, um die Menschen, die wir treffen und

wie jeder seine eigene Geschichte mit sich herumträgt.
All das – gehört zur Liebe dazu.”
– Marie Luise Ritter



#19

Dein Geburtstag und mir wird klar, dass es kein Rumgeplänkel mehr geben wird. Besonders im Privaten werde ich klare Worte finden. Kein dahin plätschern. Aber Geduld. Wieviel ist genug Zeit? Gerade verbringe ich Sie diese mit euch lachend in der Sonne und in voller Vorfreude auf meine nächsten zwei Wochen Urlaub. Ich setze mich morgens zu dem wichtigsten Mann meines Lebens an den Frühstückstisch und später ins Auto auf dem Weg zur Hochzeit des zweitwichtigsten, lehne ich mich zurück. Zwischen klaren Worte, beende ich endlich diese Stille und schiebe dir den Ball zu, um unserer jugendliche Träumerei vielleicht noch eine Chance zu geben. Ich steige aus und falle in offene Arme, finde mich in einer wilden Wasserschlacht wieder, als ich meine Gedanken unterbreche.



#20

Nachts 3:58 Uhr. Nicht schlafen können und nicht aufgeben können und doch schon längst losgelassen. Dich nicht hören fühlt sich leer und harmonisch zugleich an. Wie ein Paradoxon. Wir sind schon lange wie ein Paradoxon Zuneigung und Wut zugleich. Wieso hängst du so schwer an mir. Ziehst mich runter auf den Boden, hältst mich fest und lässt mich nicht fliegen, wo ich doch endlich meine Flügel ausbreite und leicht werde. Lass mich gehen, bitte hilf mir uns freizugeben.

Heute nicht erreichbar, eher irgendwo zwischen Hoffnung und Angst zugleich.



#21

Glückselig und betrübt – alles ist dabei und ich merke wie ich emotional einnehmen lasse. So viele Momente, in denen ich mich vor mir selbst und meiner Entwicklung erschrecke und gleichzeitig bin ich stolz. Ein Wechselbad der Gefühle, gemeinsames Rutschen, dein Brautkleid, eBike fahren und dann sitzen wir am Abendbrottisch, bevor ich dir am Telefon lausche, wir zusammen lachen und auch weinen und weiterhin in voller Vorfreude auf die nächsten Wochen sind. Ein Tag fast wie früher. Irgendwann steige ich ins Auto und fahre zurück in die Heimat, genieße die Fahrt über die Autobahn, alles fühlt sich leicht an und jeder noch so doofe Gedanke der sich einschleicht, wird mit neuen schönen Erinnerungen überschrieben.

Beim Kraftkreisel ordentlich auspowern und erst hier merken, wie sehr ich mich gerade nicht nur kopfmäßig verfahre. Mein Rücken knackt und knickt bei jeder Wiederholung. Wenige Stunden später befinde ich mich auf der Autobahn, lasse Mohnblumen in Roggenfeldern an mir vorbeirauschen und lehne mich zurück in den Fahrersitz, Musik und Fenster auf. Wir schlendern vorbei an Tümpeln, schlagen uns durchs hohe Gras des Feldes, nehmen die Vogelperspektive durch die Drohne auf und reden. Deine Art tut mir so unheimlich gut, dass ich dankbar bin, dich im September zwischen all den cornischen Wellen kennengelernt zu haben. Abends alte Bekanntschaften beim Wein wiedersehen und feststellen, dass nicht alles was schön auch einfach ist. Der Gedanke an dich und das alles macht mir Angst, lässt mich fühlen wie ein Hamsterrad, schon längst vergessene Themen, Ängste und Hoffnungen erneut aufflammen, wie ein Feuer was gerade glaubt gelöscht worden zu sein.



#22

Irgendwie bin ich ko, müde. Will nicht aufs Handy gucken, nicht reden und einfach nur sein. Kann mir weder meine Abgeschlagenheit und fehlende Konzentration erklären, noch eingestehen. Abends renne ich weg um nicht fühlen zu müssen und will final doch nur in mein Bett. Liege hier und lese alle zwei Minuten die Berichte. Wir sollten da stehen, in der abendlichen Nässe, die durch unsere Jacken zieht. Unsere Körper gewärmt von den Kräften der Gesänge und der Nähe des Nebenmannes, die für euch über das Grün ziehen. Das hier alles nervt und fehlt!

Blaue Farbe schimmert leicht durch das noch frische weiß. Wut steigt auf. Abgeschlagenheit macht Platz für Frustration und schlechte Laune! Yoga und innere Ruhe mit Mady lassen mich runterkommen. Treff am Türkenbäcker, finde ich mich drei Stunden lang in Offenheit, Austausch, Vertrauen und Zuversicht. Danke, dass es dich gibt. Danke für deine Worte und danke für dein Vertrauen. Das Leben ist eben nicht schwarz oder weiß, das lerne ich immer wieder neu. 


Auf der Suche. Auf der Suche nach Liebe. Wir verrennen uns und fühlen uns dann überrannt. Wir wissen nicht mehr wo oben und wo unten ist. Und eigentlich will ich doch nur in deine Arme, und dann zerfließt der Sand zwischen den Fingern. Du hast mir gezeigt meine Liebe loszulassen und dann lasse ich dich los. Denn wir müssen niemanden für immer lieben, wenn wir es nicht wollen. Vielleicht sind diese besonderen Funken, mit denen uns ein Mensch einfangen kann, nämlich eigentlich unsere eigenen. Wir bestimmen wann sie fliegen – und wann verglühen.

Obwohl wir so oft gegen uns selber kämpfen, als wären wir fehlerhaft. Hast du mal in den Spiegel geschaut und dich selbst wahrgenommen, anerkannt, dass du gut bist wie du bist. Gut genug für wen oder was eigentlich? Was wir gelernt haben aus dieser Zeit, besonders auf uns zu achten. Dass es egal ist wer an unserer Seite ist, wenn wir uns selbst nicht akzeptieren. Wie kleine Puzzleteile haben wir unsere offenen Fragen auf den Tisch gepackt und gemeinsam eins nach dem anderen zusammengefügt. Wir lernen was für Menschen wir aufgrund unserer neuen Erkenntnis an unserer Seite haben wollen und, dass es auch mal vollkommen ok ist eben nicht das zu machen was andere von uns erwarten. Denn die anderen sehen uns sowieso so, wie sie es wollen und vermögen. So ist jede Bekanntschaft eine Geschichte aus der wir wachsen. Wir öffnen uns, bauen Mauern ab und finden uns mit jeder Geschichte, jedem Lächeln und jedem Wunsch neu. Freiheit. Denn dich mit ganzem Herzen zu fühlen schließt deine Verletzlichkeit ein, nicht aus. Auch wenn dies bedeutet dich irgendwie zu vergessen oder loszulassen. Dich loszulassen um meine Erwartungen nicht mehr anzupassen, vielleicht auch um niemanden mehr zu rechtfertigen, der sich mir gegenüber verschloss und den ich einfach nicht loslassen wollte. 


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