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AUFBRUCHSTIMMUNG

by resiheinrich

FRIENDSHIP DIARIES

– Neuanfang – alles auf Null –

Das hier klingt nach Magie, nach Sternenstaub und nach Neuanfang, nach dem Duft von Blumen, nach wunderbaren Zufällen und Fügungen, nach Abenteuer und nach nach Hause kommen. Es fühlt sich nach Freiheit an, weniger und gar nicht mehr zurückhalten, endlich anfangen aufzuhören, spüren statt beobachten. Dieser Sommer und dieses Jahr wird ohne Kopfzerbrechen gelebt. Dieser Sommer und dieses Jahr #AktionAttacke. Oder?

Dann der Schlag. Lockdown. Das Abenteuer verschleiert. Die bunten Farben, der süße Geschmack des Sommers verblassen zu grau, schmecken Fade und ändern sich. Pandemie, Lockdown und Veränderungen hinter jeder neuen Tür. Journals von dir und mir und uns …


#01

Die Sonne scheint auf meine noch vom Winter zu blasse Haut, der Wind kitzelt leicht meine Nase, noch immer etwas verschlafen überrollen mich die Neuigkeiten auf der Plattform und unsere blonden Strähnen wehen durch die Luft. Ich gucke sie an und muss ungläubig lachen. Da sitzen wir auf der Wiese mit unseren Flausen im Kopf und unserem Plan für diesen Sommer und tauchen zunächst ab. Voller Elan und mit viel Vorfreude auf das was kommt… Deine Nachricht erscheint auf meinem Display. Völlig überfordert mit den ersten Eindrücken und den Anfragen fremder, interessanter Personen bleiben wir bei unserem Plan und kreieren uns mehr und mehr einen Rahmen, neue Erfahrungen und Neugierde – Durchziehen, Chancen geben. Manche Erfahrungen brauchen eben etwas Zeit um sich zu entwickeln. Die ersten Date Anfragen, doch … für den Moment lasse ich das Handy zurück in meine Tasche gleiten, schnappe Hund und Buch und fahre zu meiner Familie.



#02

Ich sitze auf meinem Küchentisch und muss immer wieder lachen, schüttele den Kopf über bestätigte Vorurteile und befreie mich über all jene die ausbleiben. Was haben wir denn zu verlieren? Die ersten Zeilen sind ausgetauscht, nette und geradlinige Konversationen geführt. Ein Lehrer der sofort das Ganze will und eine Abmachung die man nicht bricht. Ich akzeptiere es als das was es für den Moment ist, Ablenkung. No risk, no fun. Und dann kommt doch alles anders … Ein Match mit Folgen.

Schlaflose Nacht, das erste Brechen der eigenen Regeln. Ein unglaublich intensiver Austausch zwischen Fremden und doch Bekannten. Was machst du nur mit mir? Als ihre Stimme den Hörer abnimmt übernimmt die Aufregung auch langsam mich. Dein Lächeln, die Euphorie in deiner Stimme lassen mich grinsen. Strahlend durch den Wald springen und träumen. Nur für einen Moment sauge ich auf und denke an dich. Ich spüre diese Leichtigkeit und dieses Kribbeln und ich genieße. Sauge es ein, für mich, spüre mein Wohlbefinden. Sollst du oder sollst du nicht? Du sollst mein 1.Date sein.




#03

Und dann ist es soweit, ich tauche ab mit diesem Gefühl von Vorfreude und Aufgeregtheit und bin 8h einfach nur gefangen. Merke zwischendrin die Stimme in meinem Kopf die mich immer wieder fragt, was mach ich eigentlich hier, es kann sowieso nicht ohne Folgen funktionieren. Und dann bist du wieder da und bringst mich dazu meine Trauer und Sorgen zu vergessen. Irgendwas hält mich an dir fest. So, let’s try! Deal? Die Nachrichten dieses Tages sind schon grausam genug.

Ich lese die Zeilen und starre immer wieder auf den 31.08.2020. Die Wahrscheinlichkeit der Absage unserer Festivals, der so lang ersehnten freien Tagen voller Freiheit im Musikrausch und Endorphinüberschuss, überrascht mich nicht. Nichts was ich zum ersten Mal höre. Aber die Hoffnung und meine Naivität, der Glaube daran, dass am Ende doch alles gut wird und was lange währt jetzt nicht einfach verfließen kann, gibt mir Kraft. Lässt mich immer wieder in meine kleine Blase zurückkehren, von dem da draußen nichts an mich ranlassen lässt. Mich abschirmt. Und dann steht da dieser 31.08.2020 – schwerer als diese paar Ziffern sein könnten. Alle Großveranstaltungen abgesagt. Es liegt auf meinen Schultern und in wenigen Sekunden realisiere ich. Fasse und fass dann doch wieder nicht. Und da fühle ich mich das erste Mal betroffen. Realisiere was passiert noch immer nicht in Gänze, aber glaube erstmalig anzufangen zu begreifen. Meine kleine heile Welt löst sich in diesen Momenten auf. Meine Leichtigkeit und Naivität der letzten vier Wochen zerplatzt wie eine Seifenblase in der Dunkelheit der Nacht. Wir alle hatten gerade nicht viel in der Hand.

“Was wir verändern konnten, waren die kleinen Dinge, wie lange wir es festhielten und mit wie viel Kraft, mit welchem Ziel oder Gefühl wir schließlich selbst die Energie geben – oder einfach los lassen.” – Lina Mallon



#04

Ich bin wieder aufgeregt, telefoniere mit dir noch bevor ich den Motor abstelle. Alles was ich gerade brauche ist eine Umarmung von dir. Während ich noch den Regenbogen über deinem Haus bewundere, bist du schon längst auf den Beifahrersitz meines Autos gesprungen. “Hi” verschmitzt blinzelst du mich an. Wenige Minuten später befinden wir uns im kalten Sand. “Wie machen wir nun weiter?” Die Gedanken bringen mich um den Schlaf. Mein Blick schweift in die Ferne, verliert sich in den gold glitzerndem Farbspiel des Wassers in der untergehenden Sonne. Ich schaffe es nicht dir in die Augen zu sehen, schaffe es nicht mehr dir weiterhin mein Innerstes zu zeigen, auch wenn es das wäre was ich gerade brauche. Vielmehr möchte ich mich an dich lehnen, mich in den Knitterfalten deines Pullis vergraben, meine Arme um dich schlingen und warten – warten bis dieser ganze Spuk endlich vorbei ist. Stattdessen schaue ich weiterhin zum Wasser, weg von dir und weg vor dem was vor uns liegt. Vielleicht vielleicht finde ich hier das was ich brauche und so werde ich weiterhin erstmal mit dem Fahrtwind gehen.

” Grenzen verschwinden zwischen Fremden und Freunden
Jede Begegnung kann alles bedeuten
Vielleicht, vielleicht find’ ich hier das, was ich brauche
Vielleicht, vielleicht nenn’ ich dich bald mein Zuhause
Und ich gehe mit dem Fahrtwind
Lass’ es einfach passieren
Egal in welche Richtung
Ich hab’ eh nichts zu verlieren
Ich gehe mit dem Fahrtwind
Lass mich fallen”

Fahrtwind – Ela.



#05

Alle guten Dinge sind Drei. “Mach was dir gut tut, das selbe hättest du mir auch gesagt”, ich steige ins Auto und fahre diesmal nicht weit. Lasse einfach erneut los und genieße. Die Sorgen im Kopf vergraben. Sehe dich in vielen Facetten und merke ein einsetzendes Wohlfühlempfinden, wenn ich in deinen Armen liege. Das alles fühlt sich so weit weg an. Fühlt sich so unendlich gut an. Reden, über das Leben und die Liebe – Kuchen essen und die ersten kleinen Farbpigmente haschen, abends zeichnet sich mein Armband leicht ab. Doch die Realität und die Stimme im Hinterkopf holen mich irgendwann zurück. Vertrauen und doch keine Zufriedenheit und dann muss ich einfach eine Entscheidung treffen, halte inne, drücke auf Pause und finde vor allem (wieder) zu mir selbst. Abends verliere ich mich mit euch in unserem drei Stündigen Mädchencall. Brauche eure warmen Worte, euer Verständnis, eure Träume und unseren Mut. Zwischendrin ein schneller Nummerntausch bevor ich mich final unter meine Bettdecke kuschel. #sistervormister



#06

Seit Tagen kein swipe, keine Nachricht, vielmehr zähle ich heimlich die Tage bis zu unserem Treffen. Unsere Leichtigkeit ist uns irgendwo abhanden gekommen. Ich, Du wir wollen Abstand gewinnen, um uns all dessen bewusst zu werden. Und dann holst du mich irgendwo in meinem Wirrwarr ab und wir machen einen neuen Deal. Samstag? Zwischen all dem suche ich den Fehler. Die neue Leichtigkeit überrollt mich so sehr, dass ich nur darauf warte, dass die Blase platzt. Mit jeder neuen Nachricht fängst du an mich in deinen Bann zu ziehen. Und dann bin ich gespannt auf die Stimme, die all den interessanten Gesprächen leben einhauchen soll. Der Zauber verfliegt. Zusammen mit den leichten Wellen der Spree gleiten meine Neugier, meine Interesse nach Nähe minütlich davon. Die Sonne geht über der Spree unter. Es ist nicht so, dass ich mich mit ihm fühlte als würde eine Uhr ablaufen, vielmehr denke ich an dich. Ich sauge die letzten warmen Lichtstrahlen auf. Langsam färben sie sich in orange-rot und schließlich ins schwarz. Sobald ich im Auto sitze, möchte ich nur zu dir. Durchfahren, dir alles erzählen währenddessen ich mich final in deine Arme schmeiße. Was hast du mit mir gemacht – stehen wir vor dem Ende?



#07

Es tut gut, neu, offen, leicht und mit einem breiten grinsen auf den Lippen durch diese gerade sehr verrückte Welt zu springen. Vielleicht war es das was ich / was wir gebraucht haben. Nochmal einmal kurz zurückversetzen, sich daran erinnern wie unbefangen und neugierig ich mich, die Welt und alles in ihr sah. Am Ende sind es doch wir selber, die uns alles schwer machen. Er schreibt mir, dass er mich wieder sehen will und dann ist da noch wer anders. Diese Aufmerksamkeit offline – mit allen Markeln, zersausten Haaren, kleinen Pickeln und diesem ehrlichen Lächeln. Das tut gut. Das ist so ehrlich. Davon möchte ich gerade mehr. Ich sauge all das auf. Deine kleine Mädchenstimme hektisch und so neugierig auf mich einredend, euch beide neben mir auf dem Fahrrad. Ich werde es nie in Worte fassen können, was ich für dich kleines/großes Wesen empfinde. Gemeinsam finden wir zu unserer Leichtigkeit zurück und auch ich genieße dieses kribbeln im Bauch und beschließe einfach nur zu genießen und rechtzeitig den Absprung zu schaffen. Ich lasse mich umarmt von den letzten Sonnenstrahlen des Tages auf den erwärmten Stoff der Couch fallen. “ Ist Option Eins noch eine Variante für dich. Ich möchte die Wahrheit!” Deine Stimme schmettert durchs Telefon. “Wann fangen wir wieder an gemeinsam zu lachen?” “Nein, aber das hier ist dennoch nicht das was ich möchte.” Dann lege ich auf.



#08

Mit Oreoshake in der Hand und Sonne im Rücken bin ich immer wieder erstaunt, auf welche Ebene diese Zeit unsere Freundschaft hebt. Ich fahre voller Vorfreude los und werde schon auf der Bahnhofstraße ernüchtert. Wieso? Du scheinst es gespürt zu haben und wolltest mich nur noch ein letztes Mal verabschieden. Eigentlich nett, denn ich merke wie es mich erst noch wurmt und später nicht mehr beschäftigt. Als ich bei ihm ankomme zählt für den Moment nur noch er. Ich wollte eigentlich ein Buch mitnehmen für den Fall, dass er nicht erscheint. Und dann sitze ich da 12 Minuten verspätet auf einer Parkbank mit Tischdecke und zwei Weingläser vor uns – die Szenerie gleicht einer italienischen Produktwerbung. Ich komme aus dem Lachen nicht mehr raus und genieße die Facettenreichheit der Menschen. Ich bin fasziniert von deinem Tatendrang und schmunzel über deinen selbstauferlegten Deal nachdem wir uns zum erstmal Mal küssen. Den Deal werden wir natürlich nicht einhalten und du bringst mich genau deswegen wieder ein Stück weit zu mir selbst zurück und zeigst mir Dinge die ich längst vergessen habe. Abends kann ich kaum schlafen. Die Eindrücke der letzten Tage, die Gedanken und die Hoffnung. Bis ich irgendwann final doch in deinem Arm einschlafe. Wenn auch nur kurz …



#09

Viel zu kurz die Nacht, genießen, dich fest bei mir spüren und dann kommt der Moment wo man nicht gehen will. Als ich mich endlich, ungewiss wann wir uns wiedersehen, von dir löse. Sunday ist Pancake Day. Wie lange habe ich das nicht mehr zelebriert. Früher hat unsere kleine Große immer Pancakes für uns gemacht, sie hat es geliebt und seither habe ich mir das angewöhnt. Der Duft der brutzelnden Eierkuchen lässt mich jedes Mal schmunzeln, den Erinnerungen nachhängen. Ich dekoriere Äpfel, Zimt und Ahornsirup. Das Klingeln der Tür reißt mich aus meinen Gedanken. Doppeltes High Five. Genau das hier war trotz aller Zweifel das Richtige. Gackernd lachend, tauschen wir die Neuigkeiten aus. Bevor wir uns verabschieden lehnen wir kopfschüttelnd im Türrahmen. Den Dicken auf dem Arm, die Fellnase fröhlich neben mir spazieren wir so durch die Gegend. Philosophisch leicht – wie habe ich es vermisst. Zwischendurch bekomme ich immer wieder Nachrichten, die irgendwie ziemlich nett sind und sich teils wie Honig für die Seele und doch nicht ganz richtig anfühlen. 42,69 km und einen wunderschönen Spaziergang später sitzen wir bei Pizza Tresoli wieder gemeinsam auf dem Balkon. Was ein wunderbarer Sonntag.



#10

Ich spüre ein Gefühl von Mulmigkeit vermischt mit Kribbeln, als ich in deine Straße einbiege. Das hier bekam ein Verfallsdatum, schneller als wir uns wünschten. ” Komm doch mit zum Barbecue”. Ich weiß nicht, ob mir das nicht alles zu schnell geht. Ich möchte die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen, vielmehr entschleunigen. Dich hören, so unbeschwert leicht in all dem Chaos. Schöne Seen und Parks, jeder seine Club Mate und Pizza. Endlich fangen wir wieder an nur das jetzt und hier zu genießen. Der Sommer so ganz anders als geplant und gedacht verteilt seinen ganz eigenen Charme. Dankbarkeit breitet sich abends aus. Lehnend im Türrahmen des Balkons, den Gedanken nachhängend, erschrecke ich vom klirren meines Telefons. Deine Stimme schallt vertraut durchs Gerät. Viel zu lange wars schon wieder her. Ich weiß nicht was all das gerade mit mir macht. Will nicht eingestehen, genauso wenig wie du. Lass uns das doch nur noch ein wenig wegschieben und hoffen . . .


“Ab Montag geht also der Alltag auch wieder für mich los.” Sie sitzt hinterm Steuer neben mir. Zwischen uns diese Schwere, diese unausweichliche Gewicht an Unsicherheit, Absagen und verpassten Chancen, Träumen und Beklemmungen. Das alles fühlt sich komisch an. Wir befinden uns irgendwo zwischen surreal und real. Nach müde kommt blöd und was kommt nach Corona? Egal was, zusammen schaffen wir das! Und trotz aller Schwere, trotz der fehlenden Leichtigkeit, die sich schneller verzogen hat, als das Kaninchen bei der Flucht vor dem Fuchs, strahlst du mich an gibst mir dein Telefon über den Lenker und ich spüre deinen Stolz in jedem Millimeter zwischen uns. “Kannst dir dann bitte mal überlegen ob du mir die Ehre erweisen möchtest, nächstes Jahr meine Trauzeugin zu sein” – da brauche ich nicht drüber nachdenken und antworte dir unter Tränen in den Augen sofort. Der Tag geht zu Ende und wir werden mit einem wunderschönen Regenbogen belohnt. Der schönste Regenbogen, intensiv und vollkommen in seiner Farbenpracht. Schlussendlich machen wir weiterhin das Beste draus, bleibt uns ja nichts anderes übrig!


#11

Die Stimmung, die sich seit Tagen angedeutet hat, breitet sich spätestens jetzt in aller Möglichkeit aus. Ich starte den Tag mit euch und dem traditionellen Maisprung und schon auf dem Nachhauseweg verliere ich mich in Gedanken und Fragen, in was für einer Zeitwir hier eigentlich gerade leben. Ist das ein schlechter Aprilscherz oder der falsche Kinofilm? Klitschnass zuhause angekommen , springe ich unter die heiße Dusche und realisiere, dass es nicht nur der 1.Mai oder eine schlechte Netflixentscheidung ist . . . Jahre sind vergangen und wieder versinke ich in der Kritik. Was ist aus uns geworden, irgendwie ist irgendwann jemand ausgestiegen und der andere weiter gegangen und nun sind wir nur noch? Was genau eigentlich? Ich schiebe die Gedanken weg, lasse die letzten Wassertropfen an meinen Körper und damit auch die Antwort von mir abrutschen. Melancholisch und enttäuscht. Berlin sollte voll und laut sein, mehr als sonst überhaupt schon, bunt und schrill – Welten die aufeinander prallen. Doch davon ist nichts spürbar. Ich möchte nicht reden, mich lediglich unter meiner Decke verstecken. Alles nervt. Ich schreibe dir noch genau die drei Zeilen, die ich jetzt seit Tagen vor mir herschiebe und finde endlich kurz und knapp die richtigen Worte bevor ich erschöpft einschlafe. Als ich wenig später wieder wach werde höre ich deine Stimme am anderen Ende. Wenn du nur wüsstest wie sehr mich das hier beschäftigt, wie sehr ich mich mittlerweile manchmal nach dir sehne. Aber in diesen kurzen Minuten sind wir einfach wieder nur wir. 



#12

Ist das jetzt dieser Weltschmerz oder bin ich einfach verwöhnt? Zu verwöhnt, jetzt nicht akzeptieren zu wollen, dass ich mein geliebtes Spielzeug nicht haben kann und einen Moment noch warten muss um endlich wieder herumspringen zu können? Zu verwöhnt, dass ich mich in first world Problems verliere und mich runterziehen lasse, ohne realisieren zu können, was ich um mich rum alles habe und wie dankbar ich sein könnte … müsste. Manchmal hilft ausschlafen, weiterschlafen – bis man aufwacht, wenn alles wieder gut ist. Abends öffne ich mich dir und gebe zu, dass mir etwas fehlt. Spreche aus, was mir sonst so schwer fehlt und bin überrascht über die Reaktion. Absagen, ist etwas was ich lernen muss und du machst mir den Prozess ziemlich leicht – bis halb zwei reden wir und machen uns ein wenig verletztlich, ohne dass wir das nachhaltig müssen. Das tut gut. Erleichtert schreibe ich dir noch schnell eine Nachricht um die alte Leichtigkeit zurückzugewinnen, ohne zu wissen, dass ich in den folgenden Tagen nichts weiter von dieser und dir spüren werde …



#13

Ich schlaf neben dir ein, ich wach neben dir auf und irgendwann in den letzten Tagen hast du angefangen dich von mir zu entfernen oder entferne ich mich von dir und zweifle zu sehr an mir selbst, um uns diese unbeschwerte Zeit zu ermöglichen? Ich fahre nach Hause, ohne zu wissen, ob wir uns wiedersehen werden und ob ich das überhaupt möchte. Und bin am Abend gefangen in unseren Worten. Ich dachte immer die schlimmste Nachricht auf dich bezogen wäre eine andere gewesen. Doch dann klingen ihre Worte in meinem Ohr wie ein schlechter, wahr gewordener Albtraum.

Noch fühlt sich alles so taub an. Habe ich das geträumt. Immer wieder habe ich die Situation gefüllt. Und dann endlich bin ich so unendlich wütend. Endlich macht alles einen Sinn. Ich begreife, atme und lasse los. Lasse dich los. Veränderungen tun manchmal weh und diese hier war bittersüß. So bitternötig.



#14

Mein Herz pocht, als wolle es aus meiner Brust springen. Wie lange ist das letzte Mal her? Ich bekomme keine Luft. Träume von ihm und dir. Langsam verschwimmen alle Geschichten und meine Angst meldet sich. Verdrängtes stößt an die Oberfläche. Schweißgebadet und im Halbschlaf schicke ich die Nachricht auf meine Reaktion ab. Reaktionen aus dem Traum. Während ich die nächtliche Nachricht bereits vergessen habe schaue ich irritiert auf deine Antwort auf meinem Display. Pochen, Rasen, Schwindel. Meine Hände zittern. Mir wird schwarz und ich ringe nach Luft. Was geht hier gerade vor sich? Das ist doch nicht wahr. War das alles ein Spaß – aller guten Dinge sind Drei? Dieser schon vergessene Druck auf meiner Brust breitet sich aus.

Und dann erscheint da dein Bild auf meinem Display. Student, sind denn mittlerweile alle durchgeknallt ?



“Warum muss unser Gegenüber eigentlich immer alles, was wir eigentlich wollen, umwerfen und eine neue Richtung festlegen. Wir müssen unbedingt aufhören uns finden zu lassen. Wir müssen aufhören, keine Erwartungen zu haben.
– Lina Mallon.



#15

Ausschlafen, den Tag langsam ankommen lassen. Ablenkung ist was ich gerade brauche. Musik laut aufgedreht mache ich mich mit Sommershirt und Sonnenbrille auf den Weg zu dir. Sommerluft weht mir um die blonden Haare und glitzert in der Sonne. Ich bin wie gelähmt am Telefon und irgendwie schaffen wir dennoch einen Smalltalk. Ich sage dir, dass ich das Gefühl hatte fünf Schritte auf dich zu zu machen, währenddessen du dich diese von mir entfernst. Diesen Anschein wolltest du nicht hinterlassen und so wünsche ich dir eine gute Reise und lasse unsere offen. Vorallem um mich selbst zu schützen oder ist das schon zu spät? Du kamst, hast meine Welt kurz Kopf gestellt und gingst … Wenig später philosophiere ich und beobachte das Glitzern von eben im Wasser. Höre und lausche, lasse mich bekochen und schalte ab. Ein kühler Weißwein in den Händen haltend. Mit jedem Zug entspanne ich und lasse alle Anspannung mit dem Rauch verziehen. Irgendwann zum Abend sitzen wir mit euch und ganz vielen Gedanken, zufrieden, glücklich und mit Vorfreude auf der Decke in der Wuhlheide und leben einfach nur im Hier und Jetzt. Theo auf unserem Schoß bis in die späten Abendstunden. Der Himmel ist sternenklar – das hier sauge ich auf und nehme ich in die neue Woche mit. Keine Termine und leicht einen sitzen.



#16

342 Zeichen. Deine Worte klingen so süß. Irgendwas an dir machte mir Hoffnung. Wieso kann ich nicht einfach annehmen, ich verkompliziere, verkopfe und vergesse mein Mantra an meinem linken Fuß. Impulsiv reagiere ich. Worte die seit Wochen raus wollten aber nicht wussten wie, Worte die Angst haben zu zerstören, weil sie die Macht dazu haben, wenn sie nicht richtig gewählt werden. Send.

Aufgeregt und in mir ruhend fahre ich zu diesem Termin auf den ich schon fast zu lange warte –  die Zahlen gezeichnet auf meiner Haut. Und als ich die erste Nadelspitze spüre vermisse ich. Eine weiche Träne rollt über meine Wange und ich lächele zufrieden. Heimatliebe unter der Haut.



#17

Ich steige ins Auto zu dir. Fix ein paar Dinge in der Stadt erledigen. Ich berichte dir schon wieder mal von meiner Nadel im Heuhaufen und der gruseligen Verbindung zwischen euch allen. Langsam ist es wirklich nicht mehr normal und ich kann nur darüber lachen. Mein kleines Punkteverbindungssystem.

All die Menschen, Gespräche, Anfragen, Gedanken und Gefühle sind mir eindeutig endlich zu viel und überrollen mich gnadenlos. Die Stadt fühlt sich wenig nach Freiheit mehr nach einem dunklen Käfig an. Ausgiebige Gespräche mit euch, kurze Tränen beim nach Hause kommen, UNO und einfach nur das hier und jetzt genießen. “Nein, du kannst keine bunte 4+ auf eine gelbe 2+ legen”, na und wieso eigentlich? Wir machen uns die Welt wie sie uns gefällt. Das Glas läuft über und ich entspanne mich mit euch und hole Luft für die nächsten Tropfen.



#18

“Irgendwo her kennen wir uns doch. Deine Stimme kenne ich.” Der Krimi geht weiter, wann finden wir die nächsten Verbindungspunkte und dann, macht es klick. Als damals meine Kraft und mein Selbstvertrauen anfing, wehrte ich dich ab. “ Du wusstest irgendwie genau was du wolltest und warst ganz schön robust, da dachte ich mir ich spreche dich später nicht nochmal an, sie hat sicher eh kein Interesse.” Zack das hat gesessen. In der Sonne schauen wir den Booten beim anlegen und ablegen zu, eins nach dem anderen. Ich mache die Augen zu und atme durch. Als ich sie wieder öffne sehe ich aus dem Augenwinkel wie du mich beobachtest, und irgendwie fühlt es sich gut an. Irgendwie mal endlich nicht unangenehm. “Darf ich dich wieder sehen?”


“Es geht um Angst und Mut, um Verlust und Versagen,
um Heimat und Zuhause, um die Menschen, die wir treffen und

wie jeder seine eigene Geschichte mit sich herumträgt.
All das – gehört zur Liebe dazu.”
– Marie Luise Ritter



#19

Dein Geburtstag und mir wird klar, dass es kein Rumgeplänkel mehr geben wird. Besonders im Privaten werde ich klare Worte finden. Kein dahin plätschern. Aber Geduld. Wieviel ist genug Zeit? Gerade verbringe ich Sie diese mit euch lachend in der Sonne und in voller Vorfreude auf meine nächsten zwei Wochen Urlaub. Ich setze mich morgens zu dem wichtigsten Mann meines Lebens an den Frühstückstisch und später ins Auto auf dem Weg zur Hochzeit des zweitwichtigsten, lehne ich mich zurück. Zwischen klaren Worte, beende ich endlich diese Stille und schiebe dir den Ball zu, um unserer jugendliche Träumerei vielleicht noch eine Chance zu geben. Ich steige aus und falle in offene Arme, finde mich in einer wilden Wasserschlacht wieder, als ich meine Gedanken unterbreche.



#20

Nachts 3:58 Uhr. Nicht schlafen können und nicht aufgeben können und doch schon längst losgelassen. Dich nicht hören fühlt sich leer und harmonisch zugleich an. Wie ein Paradoxon. Wir sind schon lange wie ein Paradoxon Zuneigung und Wut zugleich. Wieso hängst du so schwer an mir. Ziehst mich runter auf den Boden, hältst mich fest und lässt mich nicht fliegen, wo ich doch endlich meine Flügel ausbreite und leicht werde. Lass mich gehen, bitte hilf mir uns freizugeben.

Heute nicht erreichbar, eher irgendwo zwischen Hoffnung und Angst zugleich.



#21

Glückselig und betrübt – alles ist dabei und ich merke wie ich emotional einnehmen lasse. So viele Momente, in denen ich mich vor mir selbst und meiner Entwicklung erschrecke und gleichzeitig bin ich stolz. Ein Wechselbad der Gefühle, gemeinsames Rutschen, dein Brautkleid, eBike fahren und dann sitzen wir am Abendbrottisch, bevor ich dir am Telefon lausche, wir zusammen lachen und auch weinen und weiterhin in voller Vorfreude auf die nächsten Wochen sind. Ein Tag fast wie früher. Irgendwann steige ich ins Auto und fahre zurück in die Heimat, genieße die Fahrt über die Autobahn, alles fühlt sich leicht an und jeder noch so doofe Gedanke der sich einschleicht, wird mit neuen schönen Erinnerungen überschrieben.

Beim Kraftkreisel ordentlich auspowern und erst hier merken, wie sehr ich mich gerade nicht nur kopfmäßig verfahre. Mein Rücken knackt und knickt bei jeder Wiederholung. Wenige Stunden später befinde ich mich auf der Autobahn, lasse Mohnblumen in Roggenfeldern an mir vorbeirauschen und lehne mich zurück in den Fahrersitz, Musik und Fenster auf. Wir schlendern vorbei an Tümpeln, schlagen uns durchs hohe Gras des Feldes, nehmen die Vogelperspektive durch die Drohne auf und reden. Deine Art tut mir so unheimlich gut, dass ich dankbar bin, dich im September zwischen all den cornischen Wellen kennengelernt zu haben. Abends alte Bekanntschaften beim Wein wiedersehen und feststellen, dass nicht alles was schön auch einfach ist. Der Gedanke an dich und das alles macht mir Angst, lässt mich fühlen wie ein Hamsterrad, schon längst vergessene Themen, Ängste und Hoffnungen erneut aufflammen, wie ein Feuer was gerade glaubt gelöscht worden zu sein.



#22

Irgendwie bin ich ko, müde. Will nicht aufs Handy gucken, nicht reden und einfach nur sein. Kann mir weder meine Abgeschlagenheit und fehlende Konzentration erklären, noch eingestehen. Abends renne ich weg um nicht fühlen zu müssen und will final doch nur in mein Bett. Liege hier und lese alle zwei Minuten die Berichte. Wir sollten da stehen, in der abendlichen Nässe, die durch unsere Jacken zieht. Unsere Körper gewärmt von den Kräften der Gesänge und der Nähe des Nebenmannes, die für euch über das Grün ziehen. Das hier alles nervt und fehlt!

Blaue Farbe schimmert leicht durch das noch frische weiß. Wut steigt auf. Abgeschlagenheit macht Platz für Frustration und schlechte Laune! Yoga und innere Ruhe mit Mady lassen mich runterkommen. Treff am Türkenbäcker, finde ich mich drei Stunden lang in Offenheit, Austausch, Vertrauen und Zuversicht. Danke, dass es dich gibt. Danke für deine Worte und danke für dein Vertrauen. Das Leben ist eben nicht schwarz oder weiß, das lerne ich immer wieder neu. 


Auf der Suche. Auf der Suche nach Liebe. Wir verrennen uns und fühlen uns dann überrannt. Wir wissen nicht mehr wo oben und wo unten ist. Und eigentlich will ich doch nur in deine Arme, und dann zerfließt der Sand zwischen den Fingern. Du hast mir gezeigt meine Liebe loszulassen und dann lasse ich dich los. Denn wir müssen niemanden für immer lieben, wenn wir es nicht wollen. Vielleicht sind diese besonderen Funken, mit denen uns ein Mensch einfangen kann, nämlich eigentlich unsere eigenen. Wir bestimmen wann sie fliegen – und wann verglühen.

Obwohl wir so oft gegen uns selber kämpfen, als wären wir fehlerhaft. Hast du mal in den Spiegel geschaut und dich selbst wahrgenommen, anerkannt, dass du gut bist wie du bist. Gut genug für wen oder was eigentlich? Was wir gelernt haben aus dieser Zeit, besonders auf uns zu achten. Dass es egal ist wer an unserer Seite ist, wenn wir uns selbst nicht akzeptieren. Wie kleine Puzzleteile haben wir unsere offenen Fragen auf den Tisch gepackt und gemeinsam eins nach dem anderen zusammengefügt. Wir lernen was für Menschen wir aufgrund unserer neuen Erkenntnis an unserer Seite haben wollen und, dass es auch mal vollkommen ok ist eben nicht das zu machen was andere von uns erwarten. Denn die anderen sehen uns sowieso so, wie sie es wollen und vermögen. So ist jede Bekanntschaft eine Geschichte aus der wir wachsen. Wir öffnen uns, bauen Mauern ab und finden uns mit jeder Geschichte, jedem Lächeln und jedem Wunsch neu. Freiheit. Denn dich mit ganzem Herzen zu fühlen schließt deine Verletzlichkeit ein, nicht aus. Auch wenn dies bedeutet dich irgendwie zu vergessen oder loszulassen. Dich loszulassen um meine Erwartungen nicht mehr anzupassen, vielleicht auch um niemanden mehr zu rechtfertigen, der sich mir gegenüber verschloss und den ich einfach nicht loslassen wollte. 


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