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TRAVELGUIDE | MALMÖ & UMGEBUNG

by resiheinrich

Es gibt nicht viele Orte, an die ich immer wieder zurückkehre. Die Welt ist wunderschön, vielfältig, voller Freiheit, und unbezwingbar groß. So sehr ich vielleicht verzaubert bin, verspüre ich beim Reisen den Wunsch noch mehr davon zu entdecken. Doch immer wenn es draußen ein wenig zu laut wird, abhauen nach Schweden. Raus und dieses harmonische Gefühl mitnehmen, wieder kreativ werden, mich selbst spüren, das Meer und den Zimt in der Luft schmecken. Es gibt wenige Orte die mich mehrfach verzaubern. Schweden gehört dazu! Der Geruch von Kannelbullar, Chocladbollar und Morotskakor. Die ruhigen Straßen, kleinen Gassen, endlose Wälder und glitzernde Seen. Harmonische Seele, Gedanken und Geist. Schweden ist immer ein wenig nach Hause kommen, zu mir selbst finden. Schweden ist Ruhe, Zufriedenheit, Interessantes entdecken, Altes reflektieren und neue Wege finden, kreativ sein. Schweden ist irgendwie zweite Heimat. Stockholm, Uppsala, Norrköping, Göteborg und nun Malmö.

MALMÖ

Für mich gehört die eigentliche Anreise mittlerweile schon zum Urlaub. Ist es mal der lange Flug, der mit zurückgelegter Strecke auch die Endorphine erhöht, den Stresspegel senkt und mich zunehmend zur Abenteuerin macht, oder die langen, entweder spannenden oder einfach entspannte Autofahrten, in intensiven Gesprächen mit meinen Lieben auf Roadtrips, die Fahrten alleine mit Hörbuch auf den Ohren vorbeirauschend an kleinen Ortschaften ist. Ich liebe es, wann immer ich möchte, wann immer mir danach ist, ins Auto zu steigen und loszufahren, egal ob mit Koffer oder nur einem Rucksack, egal ob in die Berge oder an den Strand. Autofahren ist für mich Freiheit, Spaß, pure Freude, Abenteuer, aber auch genau so runterkommen, Druck herausnehmen. So lächle ich entspannt auf dem Beifahrersitz und starte bereits jetzt den Kurztrip als das Navi noch gut 810 km, 2 Brückenüberquerungen und 9 Stunden Fahrt anzeigt.

Auf dem Weg machen wir einen ersten Stopp in Dänemark und schlendern mit den Hunden durch Odense mit romantischem Picknickrast am Fjord. Auf jeden Fall eine empfehlenswerte Pausenmöglichkeit. Alles hier ist zauberhaft süß und lässt die Vorfreude auf Schweden auf den Siedepunkt steigen. Die Überfahrt von Dänemark in unser Zielland überqueren wir über die Öresundbrücke. Die Fahrt kannst du vorher online auf der Website buchen, so kannst du durch die Fast Line und musst nicht unnötig warten. Irgendwie erstaunliche wie Nah alles zusammen liegt. Kribbelig hatte ich fast ein wenig Gänsehaut als wir “zuhause” einfahren. ” Honey, I am back! “

Malmö ist total modern. Nicht nur wegen seiner superspannenden Architektur, sondern auch wegen der immer wieder auftauchenden smarten Ideen für Nachhaltigkeit – und nicht zuletzt wegen des wunderbaren Stadtstrandes Ribersborg Strand. Malmö hat architektonisch einiges zu bieten, ich war ganz begeistert. Ich hab mir nicht wirklich etwas namentlich gemerkt, weil wir uns einfach treiben lassen wollten, aber besonders ist auf jeden Fall der Turning Torso (Lilla Varvsgatan 14). Das Highlight der Malmö Sehenswüdigkeiten ist im wahrsten Sinne des Wortes high: Mit sagenhaften 190 m ist das höchste Gebäude der Stadt sowohl der höchste Wolkenkratzer Skandinaviens als auch das drittgrößte Wohngebäude von ganz Europa. Siehst du sehr gut, dass Calatrava der menschliche Körper als Inspiration für diese irre Konstruktion diente. Außerdem ist noch erwähnenswert das Gebäude von der Emporia Mall ist auch grandios, genauso wie das Unigebäude.

Über 50 Prozent von Malmö sind Grünflächen! Außerdem gibt es hier viiiel Wasser und insgesamt 20 Brücken über Kanäle, was recht malerisch wirkt. Malmö ist die größte Stadt in Skane, der südlichsten Provinz in Schweden, deren Fokus heute stark auf Kultur, innovativer Architektur und einer lebhafte Szene liegt. Und früher? Im 13. Jahrhundert wurde Malmö erstmals als Handelsstadt erwähnt. Durch ein großes Heringsvorkommen florierte ab dem Mittelalter hier der Handel. Ab dem 16. Jh lösten Tabak und Schiffbau den Herings-Highscore als Wirtschaftsfaktor Nummer 1 ab. Karl X. Gustav von Schweden machte Schonen, diesen Teil Dänemarks, schwedisch. Schau dir den repräsentativ großen Platz mit einem der größten Rathäuser des Nordens an: den Sturtorget. Besonders sehenswert ist deshalb der Schlosspark, der sich von der Altstadt bis zum Strand erstreckt. Hier haben wir den kompletten ersten Vormittag mit einem Spaziergang verbracht. Stundenlang von Grünfläche zum Strand über die Dünen zurück zwischen Grünflächen und Blumen, über Brücken wieder zurück. Auf der Landungsbrücke von Malmö entdecken wir die landestypische Saunen mit natürlichem Zugang zum Meer als typisches Abkühlungsritual des Saunagangs. Irgendwie witzig inmitten der Nichts am Strand.

Was wir nicht mehr geschafft haben, aber noch sehenswert sein soll:

  • Große Kunst im Moderna Museet 
  • Västra Hamnen der innovativste Stadtteil Malmös
  • Malmöer Schokoladenfabrik
  • Bibliotek der Universitet
  • Essen in die Saluhall
  • Slottsträdgarden
  • etwaige Restaurants, die wir durch HZ nicht besucht haben

UNTERKUNFT

Normalweise mag ich keine großen Häuser, ich bin kein großer Fan von Pauschalhotels. Ich wohne lieber in AirBnbs, die mit entspannter Atmosphäre und charismatischem Design mir die Merkmale eines Ortes wiederspiegeln. Doch als wir spontan nach einem kleinen Get Away in diesem doch so turbulent-stillen Jahr suchten, wurde mir bei der Suche das kleine Hotel Clarion Collection Temperance inkl. HZ vorgeschlagen. Zugegeben HZ bei einem Städestrip ist jetzt nicht gerade die ideale Lösung um die Kulinarik des Landes unsicher zu machen und zu erforschen, aber da dieses Angebot so unschlagbar war, versuchten wir es. Ein kleines Hotel in der Altstadt von Malmö, fand ich charmant und klein genug um seine Ruhe zu haben. Hundefreundlich, mit Sauna für die schwedischen Abende und einer eigenen Bar haben wir uns hier wirklich wohl gefühlt. Die Zimmer sind mit zwei Hunden etwas eng, was uns aber nicht weiter störte, da wir eh den ganzen Tag unterwegs warn. Das Essen war sehr lecker und auch auf unsere individuellen vegetarischen Wünsche wurde jeden Abend eingegangen. Zum Frühstück gab es zwischen Smoothie, Waffeln und veganen Milchangeboten alles was wir mögen und für den Tag als Energie brauchten.

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KULINARIK

Wenn ich eins in Schweden lieben gelernt habe, dann ist es die bekannte FIKA. Fika bedeutet auf schwedisch Kaffeepause und ist fester Bestandteil der schwedischen Kultur. Man kommt zu einer Tasse Kaffee zusammen, auch im Job und hält einen kleinen Schnack. Man bespricht Dinge außerhalb eines offiziellen Meetings oder Arbeitsrahmens – und hat dadurch oft eben auch eine ganz andere Verbindung zu Kollegen und Freuden. Genauso nimmt man aber auch im Privaten Fika-Bröda als Picknick mit. Ein Bissen Chocladbollar, der Geruch von Morotskakor lassen mich sofort in meine Zeit, als ich 3 Monate in Stockholm gelebt habe zurück versetzen. Jeden Samstag startete ich das Wochenende mit einem Spaziergang in einem anderen Stadtviertel und kehrte zur Fika in eines der wirklich zauberhaften Cafés zur Pause ein und las eins meiner Bücher. Klingt ein wenig wie in einem Rosamunde Pilcher Film und genauso in mich ruhend und verträumt fühlte ich mich damals auch.

Genauso könnt ihr euch die Lilla Kaffeerosteriet vorstellen. Das süßeste Café Malmös ist super schön rustikal, hat eine tolle Terrasse, den cremigsten Kaffee aus eigener Rösterei und … Schokoladenkuchen. Ich kann auf jeden Fall nur empfehlen, in Malmös Bäckereien nach Zimtschnecken Ausschau zu halten. Diese hier gab’s mit Kardamom – mmmh! Anders sollen folgende Restaurants noch auf der Zunge zergehen:

  • Mineral
  • Salads & Smoothies
  • Atrium Kaffebar
  • SOLDE Kaffeebar & Coffee Roasting
  • St. Jakobs Stenugnsbageri ( wohl die besten Zimtschnecken der Stadt)

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HÄCKEBERGA NATURRESERVAT

Am zweiten Tag wollten wir die schwedische Natur um Malmö herum erkunden. Weg von Corona und Menschen, rein in die Stille und Kraft der naturellen Energie. Wälder und kaum bewirtschaftete Felder ziehen als braun-grüner Farbstreifen in herbstlichen Klängen an uns vorbei. Nebel und ankündigende Kälte verleihen der Stimmung den letzten Schliff. Zu spät für die erste Morgendämmerung und gerade rechtzeitig für die ersten kräftigen Wärmestrahlen des Tages biegen wir auf die Schnellstraße Richtung Südosten ab. Raus aus der Stadt. 345 km und ca. 1,5 Autostunden von Malmö über eine niedliche Landstraße entfernt befindet sich das Häckeberga Naturreservat. Durch ein kleines Holztor bekommt man Zugang zu einer riesigen Kuhwiese. Knarrend das Holz hinter uns verschlossen, Glocken klingeln und das feuchte Grün schnuppernd, strahlt mir die Sonne ins Gesicht. Über einen kleinen Berg bekommt man einen ersten Eindruck vom Reservat, über morsche Brücken das kleine Moor überquert, unter Bäumen Schutz gefunden. Hier wandern wir über Felder entlang an Kühen und Schafen, springen zwischen Bäumen der Wälder entlang und entdecken sogar Rehe, die wir hinter dem Ast hockend beobachten. Stets das glitzern des nebenliegenden Sees im Blick. Zwischen Worten, Zeilen und Schweigen komme ich dir immer näher und bleibe bei mir. Spüre deine Wärme und unseren Raum.

Handy weg, schwedische Natur genossen, 16 km gelaufen, Wiesen geschnuppert, Holz unter den Füßen knacken gehört, Wasser wie Wunderkerzen glitzern gesehen, die Sonne gejagt, eine Stunde ohne Menschenseele auf dem Waldboden am See geschlafen, geredet, geredet und wieder geschwiegen. Ganz viel Liebe für diesen Ort und den Tag. Extrem empfehlenswert, wenn man mal eine Idee von Schwedens Weite erhaschen möchte und etwas Abwechslung zur Stadt sucht! Ich habs geliebt – und besonders in diesen Zeiten, ein Ort des Rückzugs.

HELSINGBORG

” Wir sind gerade auf der Fähre Richtung Schweden. Lass uns treffen! “

Eigentlich hatten wir gar nicht vor nach Helsingborg zu fahren. Ein spontaner Treff und Wiedersehen mit Freunden nach langer Zeit in einem Café entführte uns dann doch in die nördlich von Malmö gelegene Hafenstadt. Wieder ca. 1,5 Stunden von Malmö liegt die Küstenstadt nördlich entlang der Landesgrenze. Ebenso modern wie man es von skandinavischen Städten gewohnt ist erfahre ich die Stadt jedoch globalisierter und uniformer als erwartet. Nichtsdestotrotz schlendern wir am Hafen plappernd, gackernd und uns auf den neusten Stand bringend an modern natürlicher Architektur und Cafés vorbei, sehen Ibiza ähnliche Boote im Hafen und kalte Metallriesen als Fähren nicht weit voneinander entfernt sich die Bucht teilen. Rund um den Rathausplatz und den Gamla Stan von Helsingborg wird es dann doch schwedisch vertraut niedlich und verzaubert. Ein kleiner Tipp an dieser Stelle:

PARKEN IN SCHWEDEN
Parken in Schweden ist unheimlich teuer im Vergleich zu deutschen Verhältnissen, da kann eine Stunde schon einmal gut 10€ kosten. Dies sollte man jedoch dennoch bezahlen, da die gesamte Stadtzone regelmäßig kontrolliert wird. Wir hatten das Pech, dass der einzige erreichbare Parkautomat defekt war und die Apps die für alle schwedischen Städte funktionieren unsere Kreditkarten sperrte. No Risk No Fun brachte uns am Ende ein Strafzettel von 95€ ein. Das war ein ziemlich teurer Kaffeeausflug zu unseren Freunden … dabei waren wir ja noch nicht einmal gewillt nicht zu zahlen. Also besser vorher checken ob alles funktionstüchtig und akzeptiert ist.

LUND

Auf dem Rückweg von Helsingborg nach “Hause” haben wir noch zwei weitere Stopps eingelegt. Die historische Stadt Lund mit jugendlichem Flair (47.000 Studenten von 110.000 Einwohnern!) hat mich absolut in Magie versetzt. Irgendwie wie in einer Harry Potter Kulisse entdeckten wir an jeder Ecke eine neue verwunschene Gasse, eine Kirche, eine riesige Bibliothek ganz im Hogwarts Stil oder einen Park, als wäre er aus einem Märchen. Lund hat neben all den kleinen Ecken, die man am besten zu Fuß erkundet zwei absolute Must Sees: Zum einen die Kathedrale von Lund, die mit 70.000 Besuchern  und 85.000 Gottesdiensten im Jahr als die meistbesuchte Kirche Schwedens prahlen dürfte (doch da sie in Schweden steht, prahlt sie natürlich nicht, sondern steht ganz bescheiden da und ist dabei trotzdem einfach irre toll). Immer wieder ziehe ich deinen Arm näher an mich und greife deine Hand enger, grinsend verwuschle ich mich in deine Winterjacke und kichere über die 8 Pfoten, die ebenso interessiert jeden neue Fährte Geruch aufnehmen.

Inzwischen ziemlich k.o. von der Süße dieser Straßen und Eindrücke des Tages machen wir noch einen kurzen Abstecher nach Falsterbo zum Sonnenuntergang. Am Golfplatz parkend kämpfen sich die Leuchturmlichter immer mehr gegen das Tageslicht an. Vorbei an den letzten Abschlägen in Vorsicht nicht auf einen der vermissten Bälle im Gras zu treten stehen wir plötzlich vor einem meilenweitreichenden Strand mit Hügeln und Gräsern, sodass das Meer nur zu erahnen ist. Kurz bevor die Sonne am Horizont verschwindet und der Leuchtturm gerade die Überhand über die Lichtstrahlen gewinnt küsst du mich sanft auf die Stirn. Ich schließe die Augen, atme die entfernt salzige Brise des Meeres und fange den Moment ein.

Dich hierher mitnehmen. Die Ruhe mit dir aufsaugen und durchatmen. Schweden ist dieses eine Land unter wenigen, das ich nicht einfach so als Erinnerung loslassen konnte. Nicht einmal so sehr, weil es so atemberaubend, abenteuerlich oder beeindruckend gewesen wäre, sondern weil dieses Land, die Philosphie, ihre Momente, in einem lauten, pausenlosen und immer wieder herausfordernden Jahr ein Stück meines so dringend benötigten Ankers darstellten, vielleicht gerade weil es so still war, so ruhig und ungestört. Große Lust auf noch mehr Schweden, mehr Scandi, mehr Roadtrippin im Norden, immer wieder begeistert von den Menschen, der Atmosphäre, der Ruhe, Echtheit und dem Minimalismus, der Architektur, der Infrastruktur … hoffentlich dürfen wir bald wieder los.

*ES WERDEN AFFILIATE LINKS GENANNT. NACH AKTUELLER RECHTSLAGE IST DIESER BEITRAG DAHER ALS WERBUNG GEKENNZEICHNET.

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