Städte Travel

TOKYO: SCHÖNE NEUE WELT

Ich sträubte mich gegen unser geplantes Reiseziel – es bedeutete, dass wir so viele Spiele verpassen würden, mitten in der Saison. Und generell – Japan; was will man denn da? Laut, „dustig“, viel zu eng durch viele Menschen und gar hektisch. Erholung – keine Spur. Das Essen spricht mir nicht zu und überhaupt hatte ich mir doch Südafrika in den Kopf gesetzt; wollte mit Elefanten kuscheln und wilde Löwen im Busch beobachten. Eine Person konnte mich überzeugen. Ich belas mich und gab mich der neuen Erfahrung hin.

Das Abenteuer Asien wartet auf mich. Tokyo , Japan und das erste Mal Asien. The next continent on the list. Der erste asiatische Stempel in meinem Reisepass. Wir flogen über Helsinki und anschließend direkt nach Tokyo, Narita. Schon der Einstieg in unsere A380 war überraschend, neu. Im Nachhinein werde ich merken, dass dies nicht der letzte Moment des Staunens gewesen sein soll. Vorbei an Business Class mit eigenen Liegekabinen, die ich bisher nur aus Filmen und Visionen kannte, durften wir gleich dahinter in der zweiten Reihe platz nehmen. Economy Comfort, die Kuscheldecken und das Wasser liegen bereits auf unserem Sitz. Ich setze die Kopfhörer auf, schalte die Geräuschisolation ein, lehne mich zurück und lasse mich fallen. Schon aus dem Flugzeug können wir den Mt. Fuji erkennen und bestaunen. Das nächste Abenteuer steht uns bevor – Japan, ich bin aufgeregt. Als wir landen holen wir zuallererst unser Paket Wifi an der Post ab. Dieses kleine Teil wird uns die nächsten zwölf Tage begleiten und ich kann es tatsächlich jedem nur empfehlen. Wifi eingestellt, Ankunftsnachrichten versendet – nun aber endlich in die Bahn Richtung Stadt. Als ich am Bahnhof unseres Hotels aussteige spüre ich eine unerwartete Euphorie. Ich bin von den ersten Eindrücken so unfassbar überrascht, von Tokyo, so ganz anders als ich es mir ausgemalt hatte. Und auf einmal möchte ich alles aufsaugen, essen, riechen, sehen, spüren, mitnehmen und erfahren.

 

„Tokyo zeig mir deine Vielfältigkeit, deinen Charakter und
bitte nimm mich mit auf deine ganz eigene Reise.“

Tag 1: Tokyo Tower  – Zōjō-ji Park –  Bootstour  – Sensō-ji Tempel

Vom Flughafen in die Stadt geht es das erste Mal mit der öffentlichen Bahn. Man fährt etwas mehr als eine Stunde zur Tokyo Station, von hieraus kommt man überall hin. Allein die Fahrt in die Stadt rein ist der Wahnsinn. Kaum enden wollende Straßenschluchten von Wolkenkratzern, die endlos in den Himmel ragen. Angekommen im Hotel werden wir von Mr. Pepper unserem kleinen Hotelroboter begrüßt, wie fortan jeden Morgen und Abend, wenn er nicht schon Feierabend hat ;). Unser Zimmer ist noch nicht fertig, also schnell Schuhe und T-Shirt vom langen Flug wechseln und gleich wieder los. Ab zum Tokyo Tower, fußläufig gleich um die Ecke unseres Hotels, vorbei an Starbucks und der ersten Stärkung, sind wir schon hier völlig überwältigt vom außergewöhnlich anderem Angebot. Vor dem Tokyo Tower befindet sich ein kleiner japanischer Garten, der Zōjō-ji Park, hindurch zum rot angemalte Holztor, welches mit ewig vielen japanischen Schriftzeichen verziert ist – Wow, bin ich verzaubert. Weiter geht es zu einer Bootstour durch die Stadt, diese startet im Nachbarpark und führt über den Sumida River entlang einiger Sehenswürdigkeiten und beeindruckenden Gebäuden, für einen Überblick und ein erstes Stadtgefühl unglaublich gut. Während unserer Bootstour schmieden wir den Plan, jeden Tag ein Basiswort auf Japanisch zu lernen. Urlaubschallenge accepted. Letzter Stop des Tages, Sensō-ji Tempel. Tokyos ältester und bedeutendster Tempel. Auch hier treffen uns nach buddhistischer Lebensweise überall Räucherstäbchen und Wunschtafeln an. Auf dem Rückweg laufen wir über den japanischen Markt gleich neben dem Tempel und ich probiere meine ersten Mochis und Reistalerkekse. Fazit: Sonderbar ;D. Von hier aus starten wir unsere “Heimreise” Richtung Hotel und final ins Bett. Angekommen am Bahnhof sind wir etwas hilflos und suchen unsere Richtung in die wir einsteigen müssen, sofort werden wir von einer älteren Dame angesprochen und bekommen nicht nur Hilfe sondern werden auch noch bis zum Gleis gebracht und herzlichst verabschiedet. Was für ein schöner Tagesabschluss.

Wort des Tages: arigatō

 

 

Tag 2: Kaiserpalast  –  Ginza  –  Shibuya Crossing  –  Shinjuku

Nach einem außergewöhnlichen Frühstück bestehend aus Reis und Ramensuppe stand Sightseeing auf dem Programm. Kaiserpalast, Shibuya und Ginza. Der Kaiserpalast ist eine reinste Katastrophe. Touri – Hotspot 100, zudem sieht man nichts! Von außen hat man bis auf einen kleinen Zipfel durch einen Mauerspalt nichts gesehen, und natürlich tummeln sich genau hier alle Reiselustigen der Welt, um DAS Foto aus dem Reiseführer mit sich selbst nachzustellen – arrrg. So gar nichts meins! Dann also weiter nach Shibuya und der weltberühmten Shibuya Crossing, die zu Hochzeiten 15.000 Menschen pro Ampelschaltung überqueren. Kleiner Tipp: Vom Rooftop des Magnet Kaufhaus, kann man das Schauspiel wunderbar beobachten. Als wir aus der Bahnstation aussteigen sind wir abermals überwältig, überall scheint Leuchtreklame und Musik schallt durch die Straßen. Hierfür sind an den Laternen Lautsprecher angebracht. Sofort werden wir von zwei japanischen Journalisten angesprochen. Ein Interview und zwei Fotos später betrachten wir die Hachiko Statue, als Hundemama ein absoluter Muss. Jeden Tag begleitete der japanische Hund Hachiko seinen Besitzer, einen japanischen Professor zum Bahnhof Shibuya, wenn dieser zur Arbeit fuhr und holte ihn abends auch wieder ab – egal ob bei Sturm oder Sonnenschein.

Weiter entlang durch Shibuya´s Straßen laufen wir Richtung Ginza und Shinjuku. Ginza ist Luxus, fühlt sich ein bisschen nach Manhattan an. Endlose Wolkenkratzer, unglaublich extravagant. Einmal über die Chuo Dori Street, dann halten wir uns eher abseits, finden Seitenstraßen voller Charakter, laufen bis Shinjuku und finden das verspiegelte Einkaufszentrum, hier ganz oben wieder Starbucks, diesmal ein Smoothie zur Erfrischung und Ausblick von oben im Freien. Wir genießen weiterhin Shinjuku bis es Dunkel wird, in seinen kleinen Gassen voller Lampions, die überall von den tausenden von Bars und Restaurants von der Decke hängen. Abendessen: Im Black Hole zum japanischem BBQ mit japanischen Kobe Rind. Hier lernen wir eine japanische Familie am Nachbartisch kennen, die uns Stäbchenessen beibringt. Nebenbei verzehren wir noch unglaublich tolles Essen und haben viel Spaß. So viel, dass wir nach Shinjuku in eine kleine Bar eingeladen werden. Diesmal mit weiteren Köstlichkeiten am Spieß, welche direkt vor uns gegrillt wurden, plus japanischen Bier. Uns wurde ganz viel über Japan erzählt (teils mit Händen und Füßen um die Sprachbarriere zu überwinden), Tipps gegeben und zum ersten Mal Garnelen gegessen. Was für ein Abend. Ab zurück ins Hotel und schlafen – mit einem Lächeln auf den Lippen. Wie Wahnsinn ist diese Stadt, bitte!

Wort des Tages: konnichi wa

 

Tag 3: Harajuku Viertel  –  Tokyo Skytree  –  Ueno Park

Harajuku ist bunt, schrill, laut, voll, hundert kleine Shops, vollgepackt mit Krimskrams, voller Lichter und Anzeigetafeln, ich steh mitten in der Menschenmenge und schau hoch und komm aus dem Staunen nicht raus. Zum Frühstück gibt es wieder mal Starbucks und Matcha in jeglichen Variationen. Danach sind wir durch den Ueno Park spaziert, überall Bonsai, Kirschbäume, japanische Zeichen und Statuen. Hier gabs ein japanisches Mittag, jedoch müssen wir uns auf eine Warteliste hierfür eintragen. Total witzig, denn aufgrund des europäischen Namen, wusste die Kellnerin gar nicht wen sie ausrufen soll, willkommen in Japan. Luft geschnappt, Energie getankt, den Menschen beim Dasein beobachtet und die letzten Tage und Millionen von Eindrücken ausgewertet. Weiter gehts – Tokyo Skytree und ein Sonnenuntergang über der Hauptstadt Japans. Auch im Dunkeln laufen wir hier noch rum und bestaunen die aberbillionen Lichter der Stadt und wie winzig klein und dennoch unglaublich weitläufig alles von hier oben aussieht. Abends Facetime – Anruf nach Hause mit gemeinsamen Einkauf in der Mall unter dem Skytree, gemeinsam durch Gänge von getrockneten Fischen und Früchten, Matchabonbons, Wurzelchips und Mochis stellen auch hier gemeinsam wieder wieder fest, wir befinden uns auf der anderen Seite der Welt und kommen aus dem Staunen, bewundern und Kopfschütteln nicht mehr raus. Abendessen mit Fensterblick vom Rooftop in der Nähe Shinjuku, japanisches Schnitzel, diesmal mit Stäbchen … fast. Halb aufgespießt wird das Essen halb lachend und wieder kopfschüttelnd genoßen, Menschen beobachtet und den Wahnsinn aufgesaugt. Nachtisch wie immer Matcha Eis, mein neuer Favorit. Morgen geht es zum Mt. Fuji raus aus Tokyo, Gute Nacht.

Wort des Tages: sayōnara

 

FAZIT: UNERWARTET WUNDERBAR & SECHS LEARNINGS

WOW! Tokyo ist eine andere Welt und doch irgendwie bekannt. Es gibt in den ersten drei Tagen unserer Reise, die wir in der Hauptstadt verbringen, kaum eine Stunde in der nicht eine Sache passiert, wir nicht mindestens einen Ort, eine Straße, ein Gebäude sehen oder ein Geschehen beobachten, dass uns den Mund offen stehen, den Kopf schütteln oder die Augen größer werden lässt. Tokyo du hast mich gecatcht, ab der ersten Minute. Ich habe mich so unglaublich wohl bei dir gefühlt. Zwischen deiner vermeintlichen Hektik habe ich nicht nur Ruhe, sondern neue Welten gefunden. Ich wurde definitiv eines besseren belehrt, Tokyo ist unheimlich sauber, geordnet und freundlich, herzlich und rücksichtsvoll. Ich meine, wo weltweit putzen die Einwohner die Straßen ihrer Stadt noch mit Seife und Lappen, stehen tatsächlich am Bahneingang in einer Linie ohne zu drängeln und schubsen und begleiten wildfremde Menschen zu ihrem Ziel?

Am Ende ganz viel gesehen, erlebt und bestaunt. Ich bin begeistert, fasziniert und verändert und ruhig … to be continued.

  1. Japaner sind unbeschreibliches höflich und rücksichtsvoll. Sie achten trotz Menschenmasse aufeinander. Kein Anrempeln oder drängeln! Es gibt außerdem 20 verschiedene Ausdrucksweisen für Entschuldigungen.
  2. Obwohl es keine öffentliche Mülleimer gibt, ist Japan sehr sauber und geregelt! Nirgends liegt Müll. Es ist auch geregelt, wie du in einen Zug einsteigst. Wo sich in Deutschland eine Menschentraube vor der U-Bahn bildet, stehen sie Japan brav an. Auch an roten Ampeln, und jeder kleinen Straße.
  3. Das Leben vieler Japaner scheint nur aus Arbeiten zu bestehen. Wir hatten das Gefühl, es laufen Roboter durch die Städte. Auf dem Arbeitsweg wird in der U-Bahn geschlafen, nach Feierabend stellt man nur schnell an die nächste Bar zum Abendessen.
  4. Der Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen verkehrt dermaßen pünktlich, dass seine Verspätung bei 36 Sekunden liegt. Für die Verspätung hat sich das Unternehmen öffentlich bei Ihren Fahrgästen entschuldigt.
  5. Tokyo – Weltstadt: ja! – aber Englisch: eher nicht so. Zwar sind Metro-Stationen in englisch ausgeschildert, Straßen aber nicht und die wenigsten sprechen Englisch. Das macht es schwierig sich zurechtzufinden, aber mit Händen, Goggle Translate und der japanischen Hilfsbereitschaft findet man jedoch einen Weg.
  6. In Japan existiert sowohl Buddhismus als auch Shintoismus. Der Shintoismus ist weniger eine Religion, eher eine Götterverehrung und Lebensweise. Die Schreine sind shintoistisch, Tempel buddhistisch.

*IN DIESEM POST WERDEN MARKEN & AFFILIATE LINKS GENANNT. NACH AKTUELLER RECHTSLAGE IST ER DAHER ALS WERBUNG GEKENNZEICHNET
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